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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Generale, vornehmlich Generalmajore und Titulargenerale, die Ge- wählten. Die sollten über mich, einen der obersten Generale der Ar- mee, einstigen Kriegsminister und Armeeführer urteilen! Eine be- sondere Eigentümlichkeit lag überdies darin, daß sich darunter auch ein General befand, der im Gerichtsprozeß als von der Anklage be- rufener Sachverständiger fungiert und vollkommen im Sinne der An- klage referiert hatte. Es war ein Hohn auf jegliche Tradition, diesen notwendigerweise befangenen Mann in das Richterkollegium zu wäh- len, und es war vielleicht noch bezeichnender, daß man meinen Pro- test dagegen vollkommen unberücksichtigt ließ. So war ich denn nochmals in einen Kampf gestellt, in dem alles, was Macht und Geltung besaß, gegen mich stand, und ich mich auf nichts und niemanden zu stützen verm.ochte. Für die Urteilssprechung eines Ehrenrates bedurfte es durchaus keines Beweisverfahrens. Die geschlossene oder nicht geschlossene Kette von Beweisen und Gegenbeweisen brauchte für die Beisitzen- den und Urteilenden nicht maßgebend zu sein, dienach ,,freierinnerer Überzeugung" zu urteilen hatten. Zweifelsohne ein vornehmer hoch- herziger Grundsatz, der jedoch leider in vielen und zwar just in sen- sationellen Fällen mit unsern damaligen Einrichtungen und Über- kommnissen schwer zu vereinen war. Natürlich gab ich mich nach all dem Erlebten über die Grund- stimmung, die im Ehrenrat herrschte, keiner Illusion hin. Außerdem erkannte ich die Richtigkeit dieser Auffassung auch aus der ernsten Physiognomie des Mannes, der mir als einziger unter den Urteilenden wohlwollend und freundschaftlich gesinnt war, General der Infanterie Baron Woinowich. Nachdem mein Verteidiger, Feldzeugmeister Frank und ich den Irrwahn zu bannen suchten, als wäre in meinem Verhalten etwas gelegen gewesen, was gegen die gemeinsame Standesehre verstoßen könne, stellte ich wiederholt die Frage, ob irgendein Punkt etwa noch der Klärung bedürfe, worauf volles Stillschweigen herrschte. Doch jenem General, der als Sachverständiger im Gerichtsprozeß fungiert hatte, sah ich's an, daß er nur darauf brenne, um dann— in meiner Abwesenheit— seiner Ansicht den schärfsten Ausdruck zu geben. Die Diskussion gestaltete sich dann auch äußerst lebhaft, ja direkt heftig. Jener General tat aus eigener und— anderer Absicht sein Bestes, um mir den Boden abzugraben. Er fand aber an Baron Woinowich einen gewiß nicht minder überzeugten Gegner, der von der Richtigkeit seiner Anschauung so durchdrungen und von der Empörung über das Vorgehen des anderen so erschüttert war, daß es zu liewegten Szenen kam. 443
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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