Seite - 443 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Generale, vornehmlich Generalmajore und Titulargenerale, die Ge-
wählten. Die sollten über mich, einen der obersten Generale der Ar-
mee, einstigen Kriegsminister und Armeeführer urteilen! Eine be-
sondere Eigentümlichkeit lag überdies darin, daß sich darunter auch
ein General befand, der im Gerichtsprozeß als von der Anklage be-
rufener Sachverständiger fungiert und vollkommen im Sinne der An-
klage referiert hatte. Es war ein Hohn auf jegliche Tradition, diesen
notwendigerweise befangenen Mann in das Richterkollegium zu wäh-
len, und es war vielleicht noch bezeichnender, daß man meinen Pro-
test dagegen vollkommen unberücksichtigt ließ.
So war ich denn nochmals in einen Kampf gestellt, in dem alles,
was Macht und Geltung besaß, gegen mich stand, und ich mich auf
nichts und niemanden zu stützen verm.ochte.
Für die Urteilssprechung eines Ehrenrates bedurfte es durchaus
keines Beweisverfahrens. Die geschlossene oder nicht geschlossene
Kette von Beweisen und Gegenbeweisen brauchte für die Beisitzen-
den und Urteilenden nicht maßgebend zu sein, dienach ,,freierinnerer
Überzeugung" zu urteilen hatten. Zweifelsohne ein vornehmer hoch-
herziger Grundsatz, der jedoch leider in vielen und zwar just in sen-
sationellen Fällen mit unsern damaligen Einrichtungen und Über-
kommnissen schwer zu vereinen war.
Natürlich gab ich mich nach all dem Erlebten über die Grund-
stimmung, die im Ehrenrat herrschte, keiner Illusion hin. Außerdem
erkannte ich die Richtigkeit dieser Auffassung auch aus der ernsten
Physiognomie des Mannes, der mir als einziger unter den Urteilenden
wohlwollend und freundschaftlich gesinnt war, General der Infanterie
Baron Woinowich.
Nachdem mein Verteidiger, Feldzeugmeister Frank und ich den
Irrwahn zu bannen suchten, als wäre in meinem Verhalten etwas
gelegen gewesen, was gegen die gemeinsame Standesehre verstoßen
könne, stellte ich wiederholt die Frage, ob irgendein Punkt etwa noch
der Klärung bedürfe, worauf volles Stillschweigen herrschte. Doch
jenem General, der als Sachverständiger im Gerichtsprozeß fungiert
hatte, sah ich's an, daß er nur darauf brenne, um dann— in meiner
Abwesenheit— seiner Ansicht den schärfsten Ausdruck zu geben.
Die Diskussion gestaltete sich dann auch äußerst lebhaft, ja direkt
heftig. Jener General tat aus eigener und— anderer Absicht sein
Bestes, um mir den Boden abzugraben. Er fand aber an Baron
Woinowich einen gewiß nicht minder überzeugten Gegner, der von
der Richtigkeit seiner Anschauung so durchdrungen und von der
Empörung über das Vorgehen des anderen so erschüttert war, daß
es zu liewegten Szenen kam.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918