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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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erreicht hätten, doch auch wieder die MögHchkeit eines Rekurses gegeben. Überdies waren die administrativen Folgen dieses letzteren ehrenrätlichen Ausspruches fürchterlich. Sie bedeuteten einfach den moralischen und finanziellen Niederbruch des Betroffenen. Wenn- gleich den Arrangeuren just diese Lösung am besten gepaßt hätte, fürchteten sie letzten Endes doch wieder, daß eine derartige Bruta- lität Folgen haben könnte, um so mehr, da mir nach Ablegung aller Würden doch auch nach Erlangung aller Freiheit die äußersten Älittel iDcrechtigter Notwehr zu Gebote gestanden wären. Und so war die Warnung gerade das richtige. Sie war harmlos, machte keinen Skandal. Dabei fügte man ihr geheim und versteckt eine Sentenz an, gegen deren Inhalt der Betroffene laut Vor- schrift sich nicht auflehnen durfte und die man, wenn's anging und paßte, doch verschwiegen herausziehen konnte, um sie als Waffe zu gebrauchen. Zu welch krassem, einfach empörendem Rechtsbruch und zu wel- cher Vergewaltigung diese Sentenz weiterhin benützt wurde, soll im letzten Kapitel meiner Lebensgeschichte dargelegt werden.— Hiermit schloß der dritte Akt dieses Dramas, dem zur vollsten Tragödie nur Haaresbreite fehlte. Was noch weiter folgte, waren Nachspiele, die dem stets gleichbleibenden Grundmotiv entsprachen, Gerechtigkeit, Wahrheit und hiermit auch irgendwelche Genugtuung niemals zu Wort kommen zu lassen.— Es wäre jetzt unendlich leicht, sogar verlockend^ eine Gegenfrage zu stellen. Eine Gegenfrage in dem Sinne, wie sich denn die fürchter- lichen Zwangsmaßregeln, die man— nachgewiesenermaßen grimd- los— gegen mich inAnwendung brachte, zu der christlichen Liebe und Duldsamkeit verhalten, die man Tatsachen gegenüber beob- achtete, die damals, namentlich aber nachher zur öffentlichen Kennt- nis gelangten? Doch ich verzichte auf diese Frage, die übrigens jed- weder Beobachter der Zeitereignisse stellen, doch auch beantworten kann. Nur an dem Häßlichsten des ganzen Vorganges kann ich nicht wortlos vorübergehen, daran, daß es im Grunde doch nur ein Vor- wand war, um sich meiner Privatkorrespondenz und meiner Aufzeich- nungen bemächtigen zu können. Das stete lauernde Mißtrauen an unrichtigster Stelle, die Geisterfurcht, die in einem loyalsten alten Soldaten so etwas wie einen Geheimbündler \\dttern wollte! Und darum waren es nicht die furchtbaren Leiden, die ich und mit mir meine Familie zu erdulden hatte, die mich zu tiefst erfaßten, sondern daß mir die Tragbalken zerbrochen wurden, auf denen all meine Ideale, ja meine ganze innere Lebensexistenz aufgebaut waren. Ar- 445
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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