Seite - 448 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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reich-Ungarns, neue Formationen zu schaffen, waren nicht minder
gewaltige auf Seite der Franzosen und vor allem der Engländer^)
entgegengestellt.
Daß Italien über kurz oder lang an die Seite der Entente treten
würde, war nicht mehr zu verkennen, da es ja selbst auf die opfer-
vollsten Konzessionen der Monarchie nicht mehr eingehen wollte.
Und auch Rumäniens Haltung wurde nach dem Tod des alten
Königs Karol von Tag zu Tag unsicherer.
Zu jener Zeit hätten demnach unsere Gegner einen für sie höchst
vorteühaften Frieden erreichen können, wenn es ihnen nicht schon
damals im Sinne der Londoner Stipulationen vom 26. Aprü 1915
um einen vollständigen Niederbruch der Mittelmächte, speziell Öster-
reich-Ungarns, zu tun gewesen wäre. Dabei hätte dieser Frieden
doch noch bis zu gewissem Grad den Charakter eines Verständigungs-
friedens bewahren können, wenn er auch für Österreich-Ungarn mit
den größten Opfern verbunden gewesen wäre. Die Ententemächte
hätten aber das nächste und wohl höchst bedeutsame Kriegsziel er-
reicht, wobei Mülionen von Menschen, ungezählte Güter, namenloses
Elend erspart geblieben wären. Doch die Ententeziele gingen eben
schon damals unendlich höher, imd letzten Endes langten sie auch
dort an, wo sie halten wollten. Doch unter welchen Opfern für die
Menschheit, deren Solidarität just die Entente auf ihr Panier ge-
schrieben hatte ! Und welch ungeheuere Schaukelbewegungenmußten
auch sie mitmachen, wie nahe war oft auch ihr Niederbruch, und in
welchem Zustande befand und befindet sich die Welt nachdem Welt-
kriege!!
Die imperialistischen Ziele und Bestrebungen unserer Gegner führ-
ten die Ententemächte zunächst zum Gallipoliabenteuer, das trotz
riesiger Opfer mit einem Fiasko endete. Dadurch wurden auch russi-
scherseitsbedeutende Kräfte abgezogen, die indenKarpathenkämpfen
in Aktion gebracht, vielleicht doch das Zünglein an derWage zu ihren
Gunsten heruntergedrückt hätten. Dies erkannte die russische Heeres-
leitimg sehr wohl, vermochte jedoch diese Erkenntnis nur durch wie-
derholte, mit rücksichtslosem Fanatismus stets vonneuem angesetzte
Angriffe in dieTatumzusetzen. Siedrangeben nicht bis in die äußerste
Konsequenz durch, dasonstder letzteMannhätte darangesetztwerden
müssen,um dieses Ziel zu erreichen. Die in den Kaukasus entsendeten
und die zu offensiven und defensiven Zwecken am Schwarzen Meer
^) Aus jenen Tagen datiert der bedeutsame Ausspruch Lord Kitcheners:
,,Wann der Krieg enden wird, weiß ich nicht; ich weiß nur, wann er beginnen
wird: im Mai 1915!" Kitchener war überhaupt — trotz Joffre, Foch und
Brussüow— vielleicht die beachtenswerteste Führerfigur auf Seite der Entente.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918