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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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In jenen Maitagen 1915— ich lag noch in Untersuchungshaft— ließen die Italiener die Maske gänzlich fallen und erklärten der Mon- archie den Krieg. So schmerzlich ich dieses neue Unglück des Vater- landes empfand, so lenkte es mich doch von meinem eigenen Jammer ab. Wie viele Stunden meiner Einsamkeit brachte ich damit zu, operative Ideen durchzudenken! Da überdies der Besitz meiner Schwiegereltern an der Save und noch dazu an einem taktisch mar- kanten Punkt liegt, rechnete ich auch allen Ernstes damit, daß dieser meiner Famüie so teure Sitz in nicht allzu ferner Zeit in Schutt und Trümmer gelegt werden würde. Daß es dann anders kam und daß die italienische Kriegführung anfänglich so versagte, ist mir noch heute unverständlich. Im Sommer 1915 feierte man in der Monarchie die Eroberung von I^emberg. Ich mußte mich damals gerade auf den Kampf um Leben und Tod vorbereiten, den mir mein Schicksal aufgezwungen hatte. Am Abend wogte ein festlicher musikalischer Zapfenstreich durch die Straßen, und dieMenge war von rauschender Begeisterung erfaßt. EigentHch war es eher eine Einnahme als eine Eroberung, da die Russen in ihrem berechtigten Bestreben, sich von den verfolgenden Gegnern baldmöglichst loszulösen, hauptsächlich doch nur Rückzugs- kämpfe— wenn auch solche größten Stiles— westlich von Lemberg abgeführt hatten. Doch das galt gleich. Letzten Endes ist im Kriege der Wertmesser stets nur der Erfolg, manchmal auch nur der Schein eines solchen. Und so zogen denn Hunderte und Hunderte jubelnd an meinen Fenstern vorüber, an denen ich mit meiner Familie stand, in deren Kreis ich eben zurückgekehrt war— als Angeklagter, dem das fürchterliche Gerichtsverfahren bevorstand. Was für Gefühle da meine Brust durchtobten, vermag ich nicht zu schildern. Da stand ich im schlichten Bürgerkleid, ein Sieger in weit größerer und schwe- rerer Schlacht als jene, die da unten gefeiert wurde! Und nie hätte man diesen Sieg begehen können, wenn ich den meinen nicht errungen hätte. Wie man aber den Führer jener Schlacht lohnte, dies machte sich an jenem festumrauschten Abend so recht geltend, wo ich, bren- nenden Auges den Tod im Herzen, auf die jubelnde Menge blickte.— Anläßlich der ersten Jahreswende der großen kriegerischen An- fangsbegebenheiten gedachte der deutsche Kaiser in hochherziger Art seiner Führer, die den Sieg an die Fahnen ihrer Armeen zu fesseln gewußt hatten. Stimmungsvolle Handschreiben gelangten zur breiten Öffentlichkeit. Von alldem war bei uns nichts zu merken. Ich will wohl glauben, daß man dem General Dankl für Krasnik gerne einige huldvoUe Worte gespendet hätte. Doch Krasnik hervorheben, und 29* 45T
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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