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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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relativ inferioren österreichisch-ungarischen Kräften absah, die durch die itaHenische Offensive gebunden waren. Es schien auch ausge- schlossen, daß sich dieses Verhältnis in den nächsten drei Monaten wesentlich ändern würde, um so weniger, als in den Alpen vorEnde Mai jegliche größere Kriegsaktion nicht durchzuführen ist. Auf diese Weise blieb von den damaligen Hauptfronten nur noch die Westfront übrig. Dort hatte der Angriff auf Verdun nur anfänglich gute Fortschritte gemacht. Über die Berechtigung dieses wagehalsigen Unternehmens zu spre- chen, ist hier nicht der Platz. Es sei nur bemerkt, daß das Resiiltat bis Ende März sich dahin zusammenfassen ließ, daß der Hauptteil der französischen Armee, wie durch einen Magnet angezogen, gegen Verdun konvergierte und der letzte französische Mann aufgeboten wurde, um den bedrohlichen Stoß zu parieren. Dies ging natürlich nicht ohne wesentliche Schwächung der anderen Frontteile. Von der Kitchenerarmee war jedoch erst ein relativ geringer Teil an der flan- drischen Küste eingetroffen, doch gleichfalls gebunden. In Frank- reich stellte sich aber den Operationen größten Stiles auch in den Monaten März bis Mai kein Hindernis entgegen. Wie also die Dinge lagen, konnte man keinen Zweifel hegen, wie und wo die am Balkan freigewordene Armee— entsprechend verstärkt— einzusetzen ge- wesen wäre, um so mehr, als im damaligenMoment Frankreich wohl das schlagkräftigste Glied der Entente bildete, dessen militärischer Zusammenbruchzum mindesten die schwerste Schädigung der ganzen Entente bedeutet hätte. Somit erscheint es unverständlich, daß man diesen einfachsten und natürlichsten operativen Vorgang nicht wählte, vorausgesetzt, daß man in diesem Kampf ums Dasein die großen Richtlinien allein im Auge hatte, und nicht etwa nebenpolitische oder gar höfische Rück- sichten vor den militärischen den Vortritt behielten, was vor der Geschichte doch nie verantwortet werden könnte. Ich legte Ende März meine diesbezüglichen Reflexionen gelegent- lich eines Besuches dem Botschafter des Deutschen Reiches dar. Er stimmte meinen Anschauungen aus vollstem Herzen zu und fügte bei, daß der gleiche Plan bei der deutschen obersten Heeresleitung wohl erwogen wurde, beim österreichisch-imgarischen Armeeober- kommando die Zustimmung jedoch nicht gefunden hätte, da dieses aus politischen Gründen die Niederwerfung Italiens als das wichtigste und nächste Ziel bezeichnete. Noch deutlicher sprach sich später ein österreichisch-ungarischer General aus, der vollkommen in der Lage war, sich über die tatsächlichen Anschauungen und Stimmungen ein 454
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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