Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 457 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 457 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Bild der Seite - 457 -

Bild der Seite - 457 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text der Seite - 457 -

russische Offensive eingesetzt habe". Welch schwere Selbstanklage diese Phrase enthielt, schien den Verfassern kaum zu Bewußtsein zu kommen. Wenn sie einen derartigen Massenanfall wirklich lange er- wartet, so war es doch unverständlich, warum sie dagegen nicht die gründlichsten Vorkehrungen getroffen, sondern sich leichten Herzens in eine Offensive gegen Italien gestürzt, die die besten Kräfte ab- sorbiert hatte. Es ist übrigens die Frage, ob selbst die Vorsorgen für die an der wolhynisch-podolischen Front zurückgebliebenen Einheiten ausreichender Natur waren. Hohe Kommandanten erzählten mir später, daß ihnen sehr bald Artilleriemunition mangelte. Personelle Veränderungen gab's beizweiArmeekommanden, dieoberstenZentral- stellen blieben aber unberührt. Mehr als eine Woche waren die offiziellen Berichte so gedrechselt, daß man daraus wohl auf widrige Zwischenfälle, doch nicht an einen Echec zu denken brauchte, der von einem kompletten Niederbruch kaum zu unterscheiden war. Die erste Nachricht, die die ganze Größe des Unheils erkennen ließ, wurde mir von Herrn von Tschirschky übermittelt. Ich war entsetzt und erkannte, daß damit auch das Schicksal der italienischen Offensive besiegelt sei. Die Verluste waren enorm. Namentlich die Anzahl der Gefangenen schwoll unheimlich an. Meine einstige schöne 4. Armee war nahezu vollständig aufgerieben. Nicht viel besser er- ging es der 7. Armee, wodurch auch wieder die Bukowina und ganz Südostgalizien bis Stanislau verloren gingen. Auch die 2. Armeemußte Brody wieder freigeben und stark in der RichtungLemberg repliieren, während die deutsche Südarmee wie ein Fels im brandenden Meer stand und nur jene Terrainstreifen preisgab, die durch das Zurück- weichen der Nachbargruppen unhaltbar geworden waren. Die Ge- samtverluste dürften sich auf 200 000 Mann belaufen haben, was um so fühlbarer wurde, als unser Menschenreservoir schon ein be- denkliches Manko zeigte. Die unvermeidliche Folge war die sofortige Unterbrechung der italienischen Offensive. Ein großer Teil der hierfür verwendeten Ein- heiten wurde in Eiltransporten nach Südostgalizien gebracht, wo es ihnen in der Höhe von Stanislau gelang, den Vorstoß der russischen Armee Leschitzky zum Stehen zu bringen. Überdies mußten zahl- reiche deutsche und selbst türkische Einheiten eingreifen, von denen erstere die wolhynische Front stützten, während letztere, auf ihr Begehr, der deutschen Südarmee eingefügt wurden. All dem war es zu verdanken, daß der Effekt der großangelegten Brussilowschen Offensive kein durchschlagender war und daß sie ge- bremst werden konnte, bevor die operativen Folgen die Situation am 457
zurück zum  Buch Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang