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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Krieges ansahen. Es wäre denn, daß— gewissermaßen im Tausch- wege— für die Überlassung GaHziens, die doch nur als Frage einer ganz kurzen Zeit angesehen werden konnte, die Erstreckung der österreichisch-ungarischen Machtsphäre auf andere Gebiete ausge- dehnt worden wäre, die vom geopolitischen Standpunkte aus besser in den Rahmen der Monarchie gepaßt hätten. Dies lag aber gar nicht im Sinne der leitenden Kreise, die als Ent- gelt ihrer so großzügigen Gebergeste vor allem die Bereitstellung einer ansehnlichen nationalpolnischen Streitermacht für das Frühjahr 1917 erhofften, in dieser Hoffnung jedoch gründlich getäuscht wurden. Die Besprechung der wahrhaft blutigen Satire, zu der sich nach den verschiedensten Schwankungen schließlich die Lösung der pol- nischen Frage für die ,,Befreiungsmächte" entwickelte, fällt außer- halb des Rahmens dieser Schilderung. Jedenfalls hat aber die große Kaiserin Maria Theresia vor 130 Jahren richtiger geurteüt als die ,,weisen Staatsmänner", die sie zur dritten Teilung Polens bestimm- ten. Die von ihr eigenhändig geschriebene Schlußresolution spricht da eine beredte Sprache. Drei Todesfällevon besonderer Bedeutung bezeichnen diese Periode, Oktober—November 1916. Vorerst der Tod des Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh, der dem sozialdemokratischen Fanatiker Friedrich Adlerzum Opfer fiel. Dann jener des Botschafters des deutschen Reiches, Tschirschky und Bö- gendorff. Am 21. November aber verschied der Nestor aller Poten- taten, Kaiser und König Franz Joseph I. Heute, da Jahre seit jenem Ereignis vorübergezogen sind, und sich seither vieles, ja alles verändert hat, vermag man es eigentlich nicht zu verstehen, daß der Eindruck, den der Heimgang des greisen Kai- sers hervorgerufen, so rasch verflogen ist. Eine fast siebzigjährige, kaum dagewesen lange Regierungsdauer — und die Erinnerung daran weggeweht wie Laub im Winde. Menschengröße! Purpur- umsäumte Herrlichkeit Die gewaltigen, einander überstürzenden Zeitgeschehnisse mit der sich stets steigernden Sorge, davon jeder einzelne berührt wurde, trugen wohl bei, daß der Glanz jener Krone und ihres schon fast mj-thisch gewordenen Trägers so rasch verschleiert werden konnte. Immerhin ist es bezeichnend, wie selbst größte materielle Macht nach ihrem Ende sofort den Einfluß verliert, den sie kurze Zeit vorher noch souverän ausgeübt hat. Nur wenn diese Macht aus dem Innern der Persönlichkeit quillt, setzt oft mit dem physischen Ende erst recht der Aufstieg zu geistigem Ruhm ein, zur Beherrschung der Geister und Seelen. 461
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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