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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich übergehe die Trauerfeierlichkeiten, wobei der vierjährige Kron- prinz Otto die Sensation der so leicht zu entzückenden Wiener bü- dete. Alles was zu Hof gehörte, was Rang und Würde hatte, eine große Zahl fremder Fürstlichkeiten war versammelt. Ein glanz- volles Bild von Farbe, Pracht und Macht, durchfunkelt vom vSonnen- licht eines milden Wintertages. Es war das letzte Prunkfest des alten Österreich.— Ein Totenfest! Man fühlte eine gewisse Erleichterung, als diese Feierlichkeiten vorüber waren, da die Gelegenheit zu Attentaten eine große war. Solche ereigneten sich jedoch glücklicherweise nicht,— InkürzesterZeitwardasBandderLiebezwischendemVolkunddem neuenMonarchen gewunden. So schnellund fest, wie es nurim kritik- losen, gemütvoll weichen Österreich möglich war. Das Regime hatte gewechselt. Die Herzen flogen dem jungen Kaiserpaar zu, ,,So rührend jung!" klang es mit warmem Herzenston. Tausend Anek- doten und Legenden von Güte, Bescheidenheit und Edelmut schwirr- ten auf. Hoffnung und Zuversicht blühten. Und der Optimismus des Österreichers, vor allem des Wieners, wähnte, die jugendhche Herr- scherhand würde nun aUe Wunden des Reiches verbinden und heüen. Viele glaubten, es wärenun auch fürmich eineneue Zeitgekommen. Und zu tiefst glaubte ich's fast auch selbst. Man wollte von meiner Wiederverwendung wissen. Doch sehr bald erkannte ich, daß die Erfüllung dieser Wünsche, die tatsächlich aus dem Volke und aus der Armee kamen, ausge- schlossen sei. Alle Männer, die den jungen Kaiser umgaben, setzten sich doch aussschließlich aus meinen erbittertstenGegnernzusammen, da mußten sie doch dringendst verhindern, daß mir wieder Einfluß, Macht und Stellung gegeben würde. Daß der junge Kaiser in diesem Sinne gründlichst informiert wurde, konnte ich mir denken. Überdies fühlte ich, daß ich dem jungen Gebieter niemals sympathisch gewesen. Daß daraus aber eine so krasse Antipathie geworden war, erfuhr ich erst später. Dabei sah ich aber jeden Tag an vielen anderen, daß die willkürlichste Gunst und Ungunst Kaiser Karls die maßgebendste RoUe spielte. Wie hätte mir da die Gerechtigkeit, geschweige denn Anerkennung und Genugtuung werden können? Logik und Vernunft sagten mir daher zur Genüge, daß ich auf nichts zu hoffen hatte. Dessenungeachtet erfreute ich mich der indirekten Anerkennung, die aus den breiten Schichten kam, und ich bekenne, daß es mich über manche bittere Enttäuschung hinweghob. Nicht nur aus allen Teüen der Monarchie und der Armee kamen mir Rufe zu, sie kamen sogar von Soldaten, die sich in russischer Gefangenschaft befanden. 462
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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