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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Erdrosseln hatte man mich wollen, und doch rief ein Teil der Be- völkerung immer wieder nach mir! Wohl hatte man es in der Hand, die vox populi nicht zu hören, doch sie verstummen zu machen vermochte man nicht. Mitte Dezember besuchte mich, wie noch oft nachher, unerwartet und unangesagt Erzherzog Josef Ferdinand. Er erzählte mir vort Luck, daran er sich schuldlos fühlte. Er meinte, wenn ich wieder in Verwendung käme, würde er gerne unter mein Kommando treten. Aber die Sonne wäre wohl eher vom Himmel gefallen, als daß solch Ideenumsturz in unserem Staatswesen erfolgen konnte! Immerhin war es vom Erzherzog lieb, um so mehr da er wußte, wie sehr ich bei den obersten Faktoren als persona ingratissima galt. In den letzten Dezembertagen fanden in Budapest die Krönungs- feierlichkeiten statt. Ich beschloß, dieser Feier beizuwohnen. Die glänzend aufstrebende Hochburg ungarischer Macht und wohl eines noch größeren nationalen Ehrgeizes präsentierte sich bei herr- lichem Wetter in einem allerdings nicht zu üppigen Flaggen- und Galaschmuck. Als simpler Fußtourist, der ich diesmal war, drängte sich mir unwillkürlich der Vergleich mit jenen Tagen auf, da ich als Minister oder in Amt und Würden befindhcher Armeeinspektor dort weilen konnte. Erfreulich war es mir aber zu sehen, daß ich mich selbst in Buda- pest einer ausgesprochenen Poptdarität erfreute. Am Vorabend des Krönungstages traf ich mit Prinz Ludwig Windischgraetz zusammen. Durch ihn erhielt ich die authentische Nachricht, daß der junge Kaiser mir von vornherein jegliche Gunst entzogen habe, ja — verbis expressis— mich nicht leiden möge. Es überraschte mich nicht, denn ich ahnte, daß das eingeträufelte Gift der Umgebung vorzüglich gewirkt habe. Die einfachste Über- legung mußte mir sagen, daß der junge Monarch doch einiges Interesse an mir haben müßte, wenn man ihm nicht die schwär- zesten Dinge — in diesem Fall böswillige Unwahrheiten — oft und oft vorgetragen und mein ganzes Wesen schlankweg verfälscht hätte. Fraglos wäre es die primäre Pflicht des obersten Kriegsherrn ge- wesen, meinem absonderlichen, noch gar nie dagewesenen Fall genau nachzugehen und sich selbst zu überzeugen. Bei den Erzherzogen Josefund Peter Ferdinand recherchierte er doch sofort in eingehender Weise, um sie entgegen vielfach anderer Anschauung wieder einzu- setzen. Männer, die ihm in seinen früheren Jahren nahegestanden, erhob er nach Beschluß seiner Laune und Gunst sofort zu hohen militärischen Würden und Ehren. Da hätte sich's vielleicht doch 463
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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