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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Botschaft zu merken. Hierbei repräsentierten die militärischen Per- sönlichkeiten stets die optimistische, die zivilen mit Tschirschky an der Spitze die zögernde, wägende, pessimistische Richtung. Letzere behielt letzten Endes recht. Es muß überhaupt zugegeben werden, daß in jenem Momente (Vorfrühjahr 1917) für jeden, der die möglichen Ereignisse bis in die letzten Konsequenzen durchdachte, trotz aller Waffenerfolge doch schon Sorgen aufdämmern mußten, namentlich in dem Sinne, daß es immer deutlicher wurde, wie in diesem Krieg der Kriege die mili- tärischen Ereignisse stetig an Bedeutung verloren. Seitens der Mittel- mächte wurde der Krieg unter dem antiquierten Gesichtspunkt be- gonnen, daß bei Eintritt des Waffenganges nur mehr die müitärischen Momente zu Worte kommen dürfen. So lag's aber nicht mehr. Man mußte sichim Gegenteil sagen, daß der Kriegwohl durch vernichtende militärische Schläge gewonnen und dem überwundenen Teil dann harte Bedingungen auferlegt werden können, daß aber ein wirt- schaftlicher Zusammenbruch zu einem Niederbruch kat' exochen führen würde, der den Überwundenen vollkommen wehrlos machen müsse. In dieser Hinsicht war aber die Voraussicht der Entente- mächte weit großzügiger als jene der Mittelmächte, die eben den Krieg noch in überkommener Weise, oder wie die Franzosen sagen: „trop reglementaire" führten. Es gab vielleicht einheitliche, tiefgrün- dige strategische Angriffs- imd Verteidigungspläne, aber leider keinen einheitlichen Wirtschaftsplan. Und wenn schließlich selbst die stra- tegische Einheitsfront in den wichtigsten Momenten — zu gutem Teü durch unsere Schuld— versagte, so kann von einer wirtschaft- lichen Einheitsfront überhaupt nicht gesprochen werden. Doch just diese tat dem wirtschaftlich so ungleich schwächeren Teil besonders not.— In Wien kam'sim Frühjahr 1917 zu einem damals vielbesprochenen Prozeß (Kranzprozeß). Er endete mit dem Freispruch der Ange- klagten, war aber reich an Sensationen. Hierbei kam der Kriegs- minister— dessen Integrität aber außer jedem Zweifel steht— da- durch einigermaßen ins Gedränge, daß eine von ihm abgegebene öffentliche Emanation nicht aufrecht erhalten werden konnte. Er trat dann unter allen Gunst- und Ehrenbezeugungen zurück. Die kaiserliche Huld ermöglichte sogar, daß ihm, der fast nie ein Kommando geführt hatte, sofort ein Armeekommando anvertraut wurde Im ungarischen Parlament waren diesbezüglich Interpellationen vorbereitet. Sie gelangten aber nicht zur Verlesung, da das Parla- ment mittels königlichen Handschreibens vertagt wurde. Es kam 469
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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