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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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dann bald zu einer großen Krise, nicht nur des Ministeriums Tisza, sondern auch der ganzen Arbeitspartei, die mit deren Niederlage endete. Als Kuriosum sei noch erwähnt, daß einer der präsumtiven Interpellanten einen Sitz im neuen Ministerium fand. Krobatins Nachfolger war der General Stöger-Steiner, der letzte Kriegsminister der österreichisch-ungarischen Monarchie. Es soll nun einer entschwundenen militärischen Institution ge- dacht werden, teils weil sie in St ezifikum österreichischer Heeres - emrichtung bedeutete, teils weil sie auf alle staatlichen Wehrverhält- nisse, besonders aber auf höhere Personalien einen ganz unheimlichen Einfluß ausübte. Ich meine die Militärkanzlei des Kaisers. Halb im Verborgenen gedieh sie üppigst und war gewissermaßen mit dem archimedischen Punkt vergleichbar, von dem aus man wohl nicht die Welt, aber den konstitutionellen Einfluß auf die ganze Wehr- einrichtung nahezu aus den Angeln heben konnte. Sie war das letzte und daher auch sorgsamst gehütete Restchen rein autokratischer Willensbetätigung. Alle Vorschläge und sonstigen Unterbreitungen des allein verantwortlichen Kriegsministers mußten in letzter Instanz die— keine Verantwortung tragende— kaiserliche Militärkanzlei passieren. Dadurch aUein wurde schon dem täglich beim Kaiser referierenden Chef dieser Kanzlei ein Einfluß einge- räumt, gegen den sich jederKriegsminister vergebens gesträubt hätte. Und so konnte sich nur jener ohne schwere Kämpfe behaupten, der mit der unumschränkt waltenden Militärkanzlei in ein ungeschrie- benes Vertragsverhältnis trat, sich also ihren Wünschen akkommo- dierte, noch besser aber subordinierte. Bezeichnenderweise bestand für die Militärkanzlei keine eigentliche Dienstvorschrift. Dafür herrschte souverän die Tradition, die siezum Rang einer allmächtigen Zentralkanzlei erhoben hatte. Ihr Wirken war mit jenem der zivilen kaiserlichen Kabinettskanzlei nicht zu ver- gleichen. Wenngleich diese — insbesondere die österreichische — noch die Rudimente einstigen autokratischen Regierungssystems dar- stellte, so war deren Einfluß auf die verfassungsmäßigen Ressort- minister doch Null im Vergleich mit jenem der Militärkanzlei auf den ebenfalls verfassungsmäßigen Kriegsminister. Diese Institution war auch eine Sammelstelle für Nachrichten per- sönlicher Natur und leider oft auch für Einflüsterungen. Durch weitere Appretierung wurde dann häufig im geheimen Stimmimg gemacht, daraus sich manchmal die sonderbarsten Entschlüsse ent- puppten, die hauptsächlich unter dem letzten Regime blitzartig herniedersausten. So hätte am Eingang der Militärkanzlei eigentlich das altäg>^ptische V/appentier, die Uräusschlange, prangen sollen. 470
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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