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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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In den letzten Lebensjahren des verewigten Kaisers bildete diese Kanzlei einen Teil jener undurchdringlichen Mauer, durch die der greise Monarch hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen gehal- ten worden war. Und dann glitt dieses S3^stem unmerklich auch in das junge Regime hinüber, um sich womöglich hier noch zu höherer Blüte zu entfalten. Die Männer, die da walteten, waren aber seit vielen Jahrzehnten stets die gleichen. Nur die Namen wechselten. Dieses Sj'stem, das so viel Unheil gebracht, wurde merkwürdiger- weise niemals bekämpft, am wenigsten im parlamentarischen Wege. Es war eben eine zu machtvolle Einrichtung, gestützt auf Über- kommnisse, und die Drahtzieher waren nicht erreichbar, denn sie saßen hinter den Kulissen. Diese Einrichtung war direkt schädlich. Für etwa nötige stati- stische und manipulative Dienste hätte eine kleine militärische Kanz- lei genügt, darüber hinaus aber nichts! Vor allem keine übermäch- tigen Würdenträger, die, falls sie geschickt und tüchtig, an andern Stellen und im freien Tageslicht weit besser hätten wirken können. Wer aber die oberste Autorität im Staatswesen berät und den Ge- setzen gemäß regiert, soll auch die Verantwortung vor der Öffent- lichkeit tragen, dort Rede und Antwort stehen. Für hochchargierte, ordensgeschmückte Zwischenstellen sollte jedoch in keinem Staate Platz sein, zwischen der obersten Potenz und der Armee keine okkulte Behörde stehen, die einen übermächtigen Einfluß, aber keine Ver- antwortung besitzt.— Zu Beginn des Frühjahrs 1917 brach die russische Revolution aus. Das autokratische Regime, dessen Fundament man aus Stahl gebaut erachtete, wurde einfach weggeblasen. Es ist hier nicht der Platz, über dieses epochale Geschehnis zu berichten. Auch liegen die Quellen und die Begebenheiten noch derart im Dunkeln, daß ein Urteü dar- über ausgeschlossen ist. Ich will nur flüchtig die äußern Momente streifen, so wie sie sich hier in Wien dem Beobachter wiesen. Der erste Eindruck läßt sich am besten in den damals überall ge- hörten Ausruf einfangen: ,,Also doch . . .!" Seit Kriegsbeginn, eigent- lich schon vorher, wurde vom Losbrechen der russischen Revolution v/ie von etwas sicher zu Erwartendem gesprochen. Doch letzten Endes hatte niemand mehr daran wirklich geglaubt. Weiters drängte sich sofort die Frage auf alle Lippen: wie wird sich dies Ereignis militär-politischumsetzen, vor allem: wird esunsden Frieden bringen? Und da gab's wohl bedeutend mehr ,,Ja" als ,,Nein", wobei aller- dings der Wunsch der Vater des Gedankens war. Unter Revolution verstand man eben eine rasche und gründliche Destruktion, beson- 471
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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