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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ders eine Destruktion der Armee, da es bezüglich dieser als unum- stößliche Gewißheit galt, daß Armee und Zar eins seien. Allerdings wurde man bald gewahr, daß die revolutionäre Bewegung— min- destens bei deren Beginn— zum guten Teil von auswärts herein- getragen worden war und sich gegen angebliche Friedensvelleitäten des Zaren richtete. Kerenski, der erste Präsident der russischen Republik, der in im- perialistischerAnwandlung zu der übereilten, nur anfänglichvom Er- folg begleiteten Offensive griff,— der vollständige Zusammenbruch der russischen Front, hervorgerufen durch die allgemeine Gegen- offensive unter Leitung des Prinzen von Bayern, die darauf ein- setzende gänzliche Auflösung der russischen Armeen, die unter der bolschewistischen Herrschaft grotesk in Erscheinung trat, die Frie- densverhandlungen von Brest Litowsk und der nachfolgende Frieden selbst mit all seinen Begleitumständen— ein wahres Kaleidoskop seltsamer, das ganze russische Reich durchrüttelnder und zertrüm- mernder Vorfälle — ein Weltendrama, das einst hundert Bände füllen muß. Da drängt sich wohl die Frage auf, wieso es kam, daß gleich im Beginn dieser Ungeheuern Bewegung die anscheinend so festgefügte, autokratisch zusammengeballte russische Riesenarmee mit ihren zahl- reichen, darunter auch siegreichen Generalen so plötzlich ihren ober- sten Kriegsherrn, den allmächtig scheinenden Zaren, im Stich lassen konnte. Wieso sich nicht eine Hand rührte, als er in schimpflicher Weise der Krone entsagen mußte, ja daß selbst oberste Generale die Bringer der Mission und die Erzwinger der Abdankung waren? Ich schrieb darüber unter dem Titel ,,Zar Nikolaus II." in der ,, österreichischen Rundschau" imSommer 1918, also noch vordem katastrophalen Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Mon- archie : ,,Zu seinem Unglück ausersehen, die furchtbare Bürde auf seine schwachen Schultern zu nehmen, von Kotterien und Parteien hin und her gezogen, waren die Zügel den Händen des Zaren schon lange entglitten. Ich bin auch überzeugt, daß er das Bewußtsein hatte, einem unentrinnbaren Geschick entgegen zu gehen und ihm erliegen zu müssen. Man wird in der Geschichte immer wieder finden, daß das Weltschicksal in großen Übergangsperioden stets Männer an erste Stelle setzte, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen und zum Verderben völlig prädestiniert waren. In Rom war Romulus Augustulus, in England Karl I., in Frankreich Ludwig XVI. und in Rußland Niko- laus II. notwendig, um die Zeichen der Zeit zu erfüllen. Sie waren vielleicht alle besser als manche ihrer Vorfahren, aber im eigenartigen 472
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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