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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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vielleicht den größten Rechenfehler im Gesamtkalkül der deutschen obersten Staats- und Heeresleitung. In das Frühjahr 1918 fällt eine der stärksten Sensationen, die wir in jener so sensationsreichen Zeit erlebten: die Enthüllung über die sogenannten „Kaiserbriefe". Kaum ein Herrscherakt hatte eine so einstimmige Beurteilung er- fahren als dieser. Nicht die Friedensanbahnung war's, sondern die heimliche, die Interessen der Bundesgenossenschaft verletzende Art und die den Unwillen der Öffentlichkeit steigernden, wahrhaft kind- lichen Ableugnungs- und Vertuschungsversuche, die von den offi- ziellen, den offiziösen und den beeinflußten Kreisen ausgingen, doch selbst die naivstenund gläubigsten, in scheuester Ehrfurcht erzogenen Gemüter nicht zu täuschen vermochten. Aber schließlich verebbte der Unwille an der Harmlosigkeit des österreichischen und auch des imgarischen Volkes, und mit den stets bereiten Schlag- und Witz- worten ging man auch über diese ernste Angelegenheit hinweg. Den Ideengang, der zu diesen jedenfalls bedauerlichen Extempora führte, stelle ich mir folgendermaßen vor. Das junge Herrscherpaar erkannte in der baldigen Herbeiführung eines wie immer gearteten Friedens das geeignetste Mittel, die eigene Popularität auf das höchste Maß zu steigern. Da überdies die Friedenssehnsucht in Österreich- Ungarn tatsächlich eine brennende war, so schien es naheliegend, daß die Friedensbestrebungen von dem IMoment an einsetzten, als man des Glaubens sein konnte, daß eine gewisse Equilibrierung der Kräfte eingetreten sei. Alles in allem genommen, war dies am Ende des Jahres 1916 so ziemlich erreicht. Daß die militärisch günstiger situ- ierten Zentralmächte mitdem bekannten ersten Friedensangebotvom 6. Dezember 1916 anrückten, war vom menschlichen Standpunkt aus durchaus berechtigt,vom politisch-diplomatischen leider weniger. Die Mentalität der Verbandmächte kennend, konnte man doch kaum an- nehmen, daß die dargebotene Friedenshand den Einschlag finden würde. Doch zugegeben, daß die alles überragende Wichtigkeit eines prompten Friedensschlusses diesen einen Versuch auch vor der Kritik zu rechtfertigen vermag, so mußte die unverhüllte entschiedene Ab- lehnung von einer Wiederholung dieses Schrittes abhalten. So be- dauerlich es auch sein mag, in der großen Politik gilt noch immer der Talleyrandsche Ausspruch: ,,C'est plus qu'un crime, c'est une faute!" Dieser Fehler wurde überdies hundertfach und stets mit dem gleichen Resultat wiederholt, und dieserFehler war es auch, der den jungen Kaiser zu dem verhängnisvollen Schritt der ,,Kaiser- briefe" geführt haben mochte. Und daß dieser Fehler heimlich, ohne 485
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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