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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 489 -
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der Feldmarschalle Böhm-Ermolli und Woyrsch. Aus alldem war es für den Gegner kein Kunststück zu erkennen, daß es jetzt ernsthaft losgehen werde, und es war für ihn auch gar nicht so schwer zu er- raten, welche Richtung die für ihn gefährlichste sei und wohin seine Hauptreserve parat zu stellen war. Mag sein, daß ihm dann noch Einzelheiten von Verrätern überbracht wurden, doch mit dem, was er im normalen Aufklärungs- und Erkundungswege erlangen konnte, wußte er übergenug, um danach seine Gegenmaßnahmen zu treffen. Überrascht wurde er vielleicht durch unsere seltsame taktisch-stra- tegische Maßnahme, daß keinerlei Diversion stattfand, sondern, daß entgegen allen Grundsätzen an der ganzen Front gleichmäßig und gleichzeitigzumAngriff angesetzt wurde. Die dann eintretende Piave- überschwemmung war zweifelsohne ein sehr ungünstiger Zwischenfall, der die Verluste erhöhte, doch entscheidend war er nicht. Ob und welche Detaüfehler noch stattfanden, vermag ich nicht anzugeben. Daß aber sehr bald Munitionsmangel eintrat und qualitätswidrige Munition, namentlich untauglich gewordene Gasbomben, zur Verwen- dung gelangten, wurde mir von vertrauenswürdigen Mitkämpfern wiederholt mitgeteüt. Zur Verantwortung gezogen wurde niemand! Ein Teü derKampfesaktion gelang aber trotzdem, und 50000Mann des Gegners gerieten in österreichische Gefangenschaft. Ein packen- der Beweis der hohen Wertigkeit unserer Truppen, die ja überhaupt v/ährend des ganzen Verlaufes des ungeheueren Weltdramas eine alles überragende, jeglicher Logik spottende Leistungsfähigkeit and Opferwilligkeit bewiesen hatten. Die schweren militärischen und politischen Folgen des Fehlschlages an der Piave, die ungeheueren eigenen Verluste, die da fruchtlos ver- ursacht wurden, sollen hier nicht besprochen werden. Ich will nur des merkwürdigen Umstandes gedenken, daß die Erregungim Hinter- lande eigentlich keine übermäßig große war. Jedenfalls rief die gleich- zeitig amtHch verlautbarte Reduktion der Brotration bedeutend mehr Unwillen hervor.— Vaterländisch, österreichisch!— Nun kehre ich noch einmal zu meinen persönlichen Erlebnissen zu- rück. Was ich darlegen will, bezieht sich zwar auf keine Staatsaffäre, betrifft dem Wesen nach nur mich, wenngleich auf das bitterste. Immerhin war das, was mir geschah, für unsere Regierungsart so charakteristisch, daß es völlig einemKabinettstück gleichzustellen ist. Es handelte sich darum, mir den Maria-Theresien-Orden nicht zu- kommen zu lassen. Da ich mir aber diese Auszeichnung ganz un- zweifelhaft verdient hatte, so wurde als Problem, als eine Art Preis- aufgabe hingestellt, eine geeignete Formel zu ersinnen, die man als Handhabe zur Abweisung benützen konnte. 489
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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