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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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sei, an deren Spitze ein aus langjährigem Ruhestand eigens hierfür reaktivierter, nahezu 80jähriger General gestanden war. Diese Kom- mission hatte in stillster Heimlichkeit, ohne mich zu vernehmen, getagt und die Ansicht ausgesprochen, daß die im Jahre 1915 meiner Person erteilte,,Warnung" noch inKraft stünde, und daß daher meine Ordenswürdigkeit fraglich sei. Das im vorigen Kapitel besprochene, mit ebensoviel Voraussicht wie Perfidie konstruierte Tendenzurteil des Ehrenrates konnte nun endlich als Waffe gegen mich gebraucht werden. Ich muß gestehen, daß ich ob dieses Wülküraktes einfach starr war. Ich hatte so etwas trotz all meiner Erlebnisse und Erfahrungen nicht für möglich gehalten. Eine derartige Verdrehung der Vor- schriften und Statuten erschien mir direkt unfaßlich. Mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln setzte ich mich zur Wehr; was insofern leicht war, als eben alle Vorschriften gegen jene gewaltsame Auslegung sprachen. Ich erhielt darauf den Bescheid, daß laut Punkt 27 des Ordensstatutes der Ordensgroßmeister— der jeweilige Herrscher— tun könne, was er wolle. Dieses Gegenargu- ment bedeutete eine neuerliche gewaltsame Auslegung der Statuten, da diese souveräne Willensbetätigung nur in Beurteilung der Tat und zwar bezüglich des Vorschlages des Ordenskapitels gelten, niemals aber auf anderweitige, mit der Tat in keinem Kausalnexus stehende Umstände Anwendung finden durfte. Gleichzeitig ließ mir der Kaiser nahelegen, ich möge die Wieder- aufrollung meines Prozesses anstreben, eines Verfahrens, das vor mehr als drei Jahren in allen Punkten rechtsgültig abgeschlossen worden war und überdies die Sanktion des verewigten Monarchen trägt. Der Zweck dieser ganz unzweifelhaft vom Generaladjutanten Baron Marterer ersonnenen und konzipierten Proposition war so durchsichtig, daß ich es einfach unter meiner Würde fand, darauf irgendwie einzugehen. Um aber dem obersten Kriegsherrn, der mich persönlich nie ge- hört und der offensichtlich nur unrichtige Informationen über mich erhalten hatte, der verhetzt worden war und nie in männlich ernster Weise auf die Bedeutung von Rechtsverletzungen aufmerksam ge- macht wurde, ein klares Bild zu entrollen, bat ich um eine Audienz. Sie wurde mir, dem altenGeneral, der seinLeben lang treuundehren- voll gedient, in brüsker Form abgeschlagen. Und da es kein Forum gab, an das ich mich hätte wenden können, so mußte ich schließlich auch diese Rechtsvergewaltigung dulden und tragen. Das einzige, was ich tun konnte und auch tat, war die Ein- sendung eines feierlichen und flammenden Protestes gegen alle ka- 491
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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