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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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darfi). Noch kürzer gesagt: Ungarn kann nur gewinnen, darf nie verlieren! Für dieses eigenartige Rechtsprinzip kämpfte Ungarn und jeder Ungar seit Bestehen des tausendjährigen Reiches mit allen Mitteln juridischer und politischer List und— wenn durchsetzbar— auch mit Mittelen der Gewalt. Die Charakteristik Bismarcks über Andrassy: „Halb Advokat, halb Husar" paßte mehr oder weniger auf jeden Ungarn, der sich mit Politik befaßt. Und wer befaßte sich in Ungarn nicht mit Politik?! — Zweifelsohne verdankte Ungarn dieser Rechtsanschauung sowie dem hierbei betätigten rücksichtslosen Vorgehen viele seiner Erfolge. Andererseits war es nicht zu verwundern, daß Ungarn aus Streitig- keiten nie herauskam. Es wäre denn, daß nachgiebige Nachbarn oderweichgewordeneMachthaber alle seineWünscheundForderungen erfüllten. ]\Ieist entwickelten sich dann aber erst recht neue und noch prononciertere nationale Bestrebungen.— Als Ungarn nach Mohacs durch Wahl an das Haus Österreich kam, bzw. die Kxone Ungarns auf das Haupt des Beherrschers Österreichs und römisch-deutschen Kaisers gesetzt wurde, war es ein Rumpf, dem fast alle Glieder abgeschlagen worden waren. Ohne diese staats- rechtliche Verbindung wäre es von den Türken vollständig erobert worden, die doch auch so durch 150 Jahre den größten und wichtig- sten Teil des Landes in unzweifelhaftem Besitze hielten. Als dann die kaiserlichen Heere unter dem Markgrafen von Baden, Starhemberg und vor allem unter Prinz Eugen das Land eroberten, war es eben eine Eroberung, äußersten Falles eine Rückeroberung, deren Opfer und Kosten zu weitaus größtem Teü von den kaiser- lichen Truppen geleistet wurden. Wohl standen auch Ungarn in den kaiserlichen Heeren, doch fast ebenso viele Ungarn — und zwar ungarische Nationaltruppen — bei den Türken. Es kann absolut keinem Zweifel unterliegen, daß die kaiserlichen Truppen und Feld- herren die Eroberer jener weiten Landstriche waren, die bereits einen integrierenden Bestandteü des osmanischen Reiches gebildet hatten. Kaum war aber diese Eroberung beendet, betrachteten die Ungarn sie nicht mehr als solche und sprachen bezeichnenderweise stets nur von einer ,,Befreiung", eine Terminologie, die Ungarn ängstlich und eifersüchtig aufrecht hielt. Dies geschah natürlich nur, um den Sie- ^) Der König beschwört im Krönvmgseid : „Alle jene Teile und Provinzen Ungarns und seiner Nebenländer, welche bereits zurückerworben wurden, sowie jene, welche mitOottes Hilfe in Zuktmft zurückerworben werden sollten, werden wir im Sinne imseres Eides diesem Lande und seinen Nebenländern reinkorporieren." Jeder magyarische Königmuß daher eidgemäß ein Eroberer sein. 495
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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