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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ringen Abgaben an Menschen, Natural- und Steuerleistungen ab, die ausschließlich von ihren Gutsuntertanen, vulgo Leibeigenen, beige- stellt wurden. Sie selbst beanspruchten aber— soweit es ihnen ge- fiel— Offiziers- und Beamtenstellen, die ihnen auch ohne weiteres überlassen wurden. Dieser urwüchsig gemütlichemodus vivendi hörte' auf, als Kaiser Josef II. die Regierung antrat. Ihm schwebte als Ideal der zentralistische Einheitsstaat vor Augen, wobei die gesamte Regierungsmaschine auf deutscher Basis aufgebaut und durch die deutsche Sprache in Gang erhalten werden sollte. Hierzu waren kräftige Germanisierungsmaßnahmen unerläßlich, die aber den Wider- stand Ungarns und diesmal auch Kroatiens hervorriefen. Nichts- destoweniger machte die Germanisierung der Ämter kräftige Fort- schrittCj und die lateinische Amtssprache wurde durch die deutsche ersetzt. Doch die Regierungszeit dieses großzügigen, vom Glück aber so gar nicht begünstigten Herrschers war viel zu kurz, und das Ver- hängnis, das sich bei allen derartigen, im guten Fortschritt befind- lichen Assimilierungsbestrebungen geltend machte, trat auch hier ein unglückliche oder mindestens alle Kräfte des Staates absorbierende Kriege. Der todkranke, mit sich zerfallene Kaiser nahm alle von ihm erlassenen Dekrete und Gesetze zurück, und sein kluger, diplomatisch geschulter Nachfolger Leopold II. verstand es in kurzer Zeit, einen modus procedendi zu schaffen, der das Funktionieren der Staats- maschine wieder ermöglichte— allerdings bei Aufgeben der Einheits- bestrebungen und mancherlei Einbuße an Autorität. Immerhin war es hierdurch seinem Nachfolger Franz II. möglich, das Reich zu jenen großen Kraftleistungen zu bringen, die es in der folgenden Kampfes- periode bis 1815 an den Tag legte. Die Leistungen der Ungarn waren allerdings hierbei bescheiden. 1809 z. B., im Jahre der größten Kraftanstrengung, stellten die alt- österreichischen Provinzen5% der Bevölkerung für den Kriegsdienst, die Militärgrenze und Kroatien bei 10%, während Ungarn bescheiden sich mit 1% begnügl^. Selbst Napoleon spottete über die österrei- chische Regierungskunst, die aus Ungarn nur 80000 Mann und etwas über 20000000 fl. jährlicher Steuerleistung herauszubringen wußte. Nach 1815 gaben sich alle Völker Europas der Sammlung hin. Im Kaisertum Österreich war es das vielgenannte Metternichsche System, das unter Kaiser Franz, dann unter Ferdinand die gesamte Bevöl- kerung Österreichs und Ungarns in den politischen Schlaf versetzte. Während dieser Zeit wurde die germanisierende Tendenz fortgesetzt, jedoch ohne viel Nachdruck, daher auch— namentlich in Ungarn— ohne sonderlichen Effekt. 3s Auffcnberg 497
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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