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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 504 -
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Euer Majestät! Es kann allerdings weder meine, noch des Chefs des Generalstabes Pflicht und Sache sein, auf den Gang der äußeren Politik irgendwie Einfluß zu nehmen; doch geradeso wie diese von der Heeresleitung die rechtzeitige Bereitstellung und Ausgestaltung des Heeres insoweit fordern kann, als dies für die Zwecke der poli- tischen Führung unerläßlich ist, so kann und muß— meiner aller- untertänigsten Meinung nach— auch die Heeresleitung zum min- desten jene Momente bezüglich des Ausbaues und der Bereitstellung des Heeres andeuten, welche durch die politische Führung der Staats- geschäfte influerLziert werden. Und da möchte ich mir alleruntertänigst erlauben, meiner Mei- nung dahin Ausdruck zu geben, daß ich mich mit den Anschauungen des Chefs des Generalstabes in allen wesentlichen Momenten— nach innerster, wohlüberlegter Prüfung— nur vollkommen identifizieren kann. Wohl sind— ganz allgemein gesprochen— die Schlußfolgerungen, die der Chef des Generalstabes hinsichtlich des Ausbaues des Heeres zieht, vielleicht etwas zu weitgehend: nicht ihrem essentiellen oder, besser gesagt, wünschenswerten Inhalte nach, wohl aber in der Rich- tung des tatsächlich Erreichbaren. Vollkommen zutreffend aber er- scheinen mir die militär-politischen Prämissen und Erwägungen, ebenso wie die Konklusionen, insoweit sie auf den Aufbau und die Bereitstellung unserer militärischen Machtmittel Bezug haben. Euer Majestät! Ich muß in tiefster Ehrfurcht alleruntertänigst berichten, daß auch ich ein Festhalten arh Bündnis mit Italien als schädlich für die militärischen Interessen der Monarchie halte. Es erscheint mir sonnenklar, daß alle politischen Zusicherungen seitens der italienischen Regierung vollkommen wertlos sind, und es ist meine felsenfeste Überzeugung, daß die ersten Schüsse, die eventuell an der Donau oder an der Weichsel fallen, den Großteil des italienischen Volkes wie eine Pulvermine auffliegen lassen werden und daß— bon gre, mal gre— die italienische Regierung diesem kategorischen Treiben des Volkes wird nachgeben müssen. Der einzige Unterschied zwischen einem offiziell verbündeten imd einem offiziell nicht verbündeten Italien läge vielleicht in einer ein- bis zweiwöchentlichen Verzögerung des Kriegsbeginns: gewiß ein Umstand, der nicht belanglos wäre, doch in gar keinem Verhältnisse stünde zu dem enormen Nachteile, den man auf sich nimmt, wenn man gegebene Tatsachen absichtlich nicht sehen wÜl. Stets nur ausschließlich vom Standpunkt der Heeresleitung spre- chend, muß ich in dieser selbstgeschaffenen Fiktion vor allem das Haupthindernis des so notwendigen Heeresausbaues sehen. 504
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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