Seite - 505 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Insolange nämlich dieses Scheinbündnis besteht, wird es mir,
respektive der verantwortlichen Heeresleitung unmöglich sein, jene
Summen aufzubringen, welche für die so notwendige Ausgestaltung
des Heeres ganz unerläßlich sind.
Die allertriftigsten Motive und Beweise werden immer und immer
durch den Hinweis zurückgewiesen, daß wir ja mit Italien im Bunde
stehen; neuerlich auch durch die nur scheinbar berechtigte Ansicht,
daß Italien durch das tripolitanische Abenteuer in seiner Aktions-
kraft gelähmt sei.
Dagegen lebt in mir die Überzeugung, daß von dem Tage an, wo
dieses Bündnis nicht mehr besteht, ja selbst von dem Momente an,
wo sich die Anschauung Bahn bricht, es bilde die Fortsetzung des-
selben nicht mehr ein Axiom unserer äußeren Politik, selbst unsere,
nichts weniger als willfährigen Volksvertretungen dem Ausbau des
Heeres nicht mehr jenen obstinaten Widerstand entgegensetzen wer-
den, der sie unter allen parlamentarischen Körperschaften kenn-
zeichnet.
Um durch Wiederholungen nicht zu ermüden, beziehe ich mich
bezüglich aller weiteren Motivierungen auf den alleruntertänigsten
Vortrag des Chefs des Generalstabes und füge nur bei, daß aus-
schließlich nur das Bild und die Vorstellung einer großen und
immanenten Gefahr unsere Vertretungskörper zur Einsicht und zu
dem führen werden, was sie gemeiniglich
,, patriotische Opferwillig-
keit" nennen.
Es erscheint mir höchst plausibel und wahrscheinHch, daß das
offizielle Italien in seiner momentanen Bedrängnis von dem Drei-
bund gar nicht locker lassen wird, weil dessen Fortbestand sein
eigener, ausschließlich eigener Vorteil wäre. Unser Vorteil aber wäre
es nicht und war es nie und ich denke, es sollte nicht unbeachtet
bleiben, daß die italienischen Einberufungen im Frühjahr 1909 ge-
druckt und vorbereitet waren, gewiß nicht in der Absicht, unsere
Reihen zu verstärken.
Dem sei übrigens, wie ihm wolle;- meine Pflicht ist es jedoch, aller-
untertänigst darauf hinzuweisen, daß eine weitere Aufrechterhaltung
des Bündnisses mit Italien unsere militärischen Interessen effektiv
schädigt und der Ausgestaltung des Heeres Hemmnisse bereitet, die
mit legalen Mitteln nicht zu beseitigen sein werden. Darüber be-
lehrte mich die Rücksprache mit den maßgebenden Ministern beider
Regierungen, die von einer unausweichlichen Steigerung der Heeres-
kredite kaum in dem allerbescheidensten Maß etwas wissen wollen
und sich kontinuierlich auf den für fünf Jahre geschlossenen Pakt
berufen, der — nach ihrer Meinung — seinen Rückhalt eben in
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918