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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 513 -
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lieh niederwarf. Es war die Auflösung von innen, die unsere Reihen zerbrach. Speziell unsere Front im italienischen Land hielt noch, als das Reichsgebäude schon in den Grundfesten bebte und wankte, und hätte— so wie es Pflicht war— eine starke jugendliche Hand das Panier ergriffen und Leben und Existenz eingesetzt, um beides zu gewinnen— wer weiß, ob diesem Mute im höchsten letzten Mo- ment sich das Glück nicht doch noch zugeneigt und, wenn nicht an- ders, zu einemEnde in Ehren und nicht zu einemEnde mitSchrecken geführt hätte. Erst als das Reichspanier weggeworfen wurde, tmd ganz unverständliche, völlig herostratische Verfügungen alle Bande zerrissen, zerbrach auch das eherne Gefüge, und ein stolzer alter Bau lag mit einemmal in Trümmern. Und nun, nach all den unsäglichen Opfern, an Leib und Seele ge- brochen, kehrt der Offizier, von allen verlassen, dorthin zurück, von wo er einst gerufen, von allenund allen gerufen, in ehrlicher, heiliger Mannesbegeisterung ausgezogen war. Er findet ein trostloses Heim, die Arbeit seines Lebens zerstört, findet ein völlig zerstückeltes, atomisiertes Vaterland, er findet sich, Weib und Kind in der Existenz bedroht, ja vielleicht vernichtet, und findet— den historischen Dank des Hauses Österreich, der aber zu erweitern wäre, in den Dank vom Hause und von den Völkern Österreichs Und damit der Gipfel des Kalvarienbergs erstiegen werde, findet der Offizier auch noch Spott, Hohn und geifernde Anschuldigung von jenen, für die er gekämpft und sein Herzblut verspritzt hat. Es soll nichts beschönigt und vertuscht werden. Ein vierjähriger, unbarmherziger Krieg verwildert. Es gab Fehler, die schwerst zu ahnden sind, und es gab hinter der Front und in der Etappe auch Elende, die in dem furchtbaren Unglück nur an sich und ihre schä- bigen Interessen dachten. Doch in dem gewaltigsten Weltendrama, das sich vor unseren entsetzten Augen abspielt und in dem wir die Leidtragenden sind, bedeutet dies alles doch nur eine Ausnahme, ein wüstes Eiland in einem Meer getreuester Pflichterfüllung. Daß dies aber nicht gewertet wird, und vollkräftige Männer, denen es glücklich gelungen war, sich fern von jedem Schuß zu halten, und die das Leben im Schützengraben aus derLektüre am warmen Ofen kennen- gelernt, im Korybantengeheul der Menge ihr Gift auf den Heim- kehrenden spritzen können, das bedeutet für den Offizier eine Tragik, so riesengroß und so erschütternd, daß sie jedes anständige Gemüt mit Trauer und Ehrfurcht erfüllen, dem Beleidigten aber das Recht geben muß, mit jenem großen Franzosen zu rufen: „AUez, vous n'atteignerez jamais les hauteurs des mes dedains!" 33 Anff»«berg 5I3
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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