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340 Stefan Lehr mit einem Exkurs von Tomáš Borovský
und Konzentration erforderlich waren“53. Auch Klicman lobte Pirchan in den jährlichen
Qualifikationsbeschreibungen, denen er bis zu seiner Ernennung zum Obersektionsrat
1927 unterlag, als ausgezeichneten Beamten54.
Außerhalb des Archivdienstes begegnete Pirchan seinen tschechischen Kollegen auch
in anderen, überwiegend tschechischen Fachinstitutionen, denen er angehörte. Als 1923
in die Kommission für das Tschechoslowakische Historische Institut in Rom keine deut-
schen Mitglieder berufen wurden, nahm der Akademische Senat der Deutschen Univer-
sität dies zum Anlass für eine Beschwerde. Das tschechoslowakische Schulministerium
antwortete, dass es die Initiative der Deutschen Universität begrüße und geneigt sei,
Deutsche in die Kommission aufzunehmen. Es bat darum, geeignete Personen zu benen-
nen, die die tschechische Sprache beherrschen und bereits in italienischen Archiven und
Bibliotheken gearbeitet hatten55. Eine hierzu einberufene Kommission der Philosophi-
schen Fakultät schlug neben dem Privatdozenten Pirchan die Professoren Steinherz, Wil-
helm Wostry und Hans Hirsch vor. Allein Pirchan erfüllte die beiden genannten Krite-
rien56 und so ernannte ihn das Schulministerium 1924 zum Mitglied der Kommission57.
Während einer Italienreise 1934 bedankte sich Pirchan beim Leiter des Tschechoslowa-
kischen Historischen Instituts in Rom, Bedřich Mendl, für dessen Unterstützung. In
Rom wohnte er damals im Institutsgebäude58. Überdies war Pirchan Gründungsmitglied
der Tschechoslowakischen Archivgesellschaft (Československá archivní společnost, ČAS ;
1924–1941)59. Zwar war die Satzung dieser Organisation ohne Beteiligung deutscher
Archivare ausgearbeitet worden, doch legte die tschechische Seite Wert darauf, alle Ar-
chivare der Republik ohne Ansehen der Nationalität an dieser Berufsvertretung zu betei-
ligen60. Pirchan und sein Kollege Josef Bergl61 nahmen sowohl an der konstituierenden
53 Otakar Odložilík, Ein tschechischer Nachruf auf sudetendeutsche Historiker, in : Wissenschaftlicher Dienst
Ost-Mitteleuropa 5 (1955) 111–117, hier 114.
54 NA, AR–ÚAMV, PA Pirchan, Sig. IX/2, K. 137, Inv.-Nr.
84.
55 Schul- und Bildungsministerium an das Rektorat der DU, 15.06.1923. UAP, FF NU, K. 67,
Tschechoslowakisches Institut in Rom 1923.
56 Steinherz und Hirsch besaßen keine Tschechischkenntnisse und Wostry hatte nicht in italienischen wissen-
schaftlichen Einrichtungen gearbeitet. Dekan der PF an das Rektorat der DU, 11.12.1923. Ebd.
57 Klicman an das IM, 20.06.1924. – NA, AR–ÚAMV, PA Pirchan, Sig. IX/2, K. 137, Inv.-Nr.
84.
58 Pirchan wollte auch Šusta schreiben und ihm seine ersten Eindrücke über das Institut mitteilen. Pirchan an
Mendl, o. D. MÚA, NL Mendl K. 4, Inv.-Nr. 249, Sig. IIb1.
59 Bisher sind nur die Anfänge der ČAS bearbeitet. Vgl. hierzu Jan Kahuda, K počátkům zájmové organizace
českych archivářů [Zu den Anfängen der Interessenorganisation der tschechischen Archivare], in : Pocta Josefu
Kollmannovi. Sborník k životnímu jubileu, hg. v. Alena Pazderová (Praha 2002) 125–135.
60 Václav Hrubý, Ze společnosti Archivní školy [Aus der Gesellschaft der Archivschule], in : Časopis archivní
školy 2 (1924) 225–227, hier 225.
61 Zu Bergl vgl. Lehr, Archivare (wie Anm. 27) 415–420 ; Jaroslav Prokeš, Archiv ministerstva vnitra v Praze
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien