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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 343 -
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Seite - 343 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Gustav Pirchan (1881–1945) 343 Arbeit volle Anerkennung73. Wie auch in anderen Beurteilungen wurden Pirchans uner- müdlicher Fleiß, seine Gründlichkeit, der Umfang seiner Kenntnisse und die Vielseitig- keit seiner Interessen positiv hervorgehoben. Mehrere Italienreisen, die ihn in die Staats- archive und Bibliotheken nach Mantua, Florenz, Pisa, Lucca, Siena und Venedig geführt hatten, machten ihn zu einem ausgezeichneten Kenner der dortigen Archive. Nach der Habilitation begann Pirchan im WS 1921/22 seine über zwanzigjährige Lehrtätigkeit (WS 1921/22 bis zum WS 1944/45)74 an der Deutschen Universität in Prag mit einer zweistündigen Vorlesung zu Italien im Zeitalter Dantes. In den ersten zwei Unterrichts- jahren waren seine vier Vorlesungen ausschließlich Italien gewidmet und speisten sich aus seinen Arbeiten zur Habilitationsschrift. Bis zum SS 1925 las er jeweils zwei Stunden pro Semester. Danach lehrte er bis zum WS 1930/31 nur einstündig, vom SS 1931 bis zum SS 1933 wieder zweistündig. Nach der Ernennung zum außerordentlichen Profes- sor umfasste Pirchans Lehrdeputat kontinuierlich fünf Stunden pro Semester. Praktisch bedeutete dies, dass er seit 1933 in der Regel drei Lehrveranstaltungen anbot. Gewisse Vorlesungen wiederholte Pirchan mehrfach, wobei die Titel teilweise variierten75. In seiner Lehrtätigkeit konzentrierte sich Pirchan schwerpunktmäßig auf das 14. Jahr- hundert, ohne jedoch das 13. und 15. Jahrhundert außer Acht zu lassen. Geografisch interessierten ihn vor allem Italien, die deutschen Länder und hier insbesondere Böh- men, welches für Pirchan zu diesen gehörte, sowie die böhmischen Verflechtungen mit den Nachbarregionen. Thematische Schwerpunkte bildeten das Papsttum im Mittelalter, die böhmischen Länder unter den Luxemburgern, insbesondere unter Karl IV., und der Humanismus. Immer wieder behandelte Pirchan kulturgeschichtliche Themen76. Erst- malig im SS 1939, also nach der Entstehung des Protektorats Böhmen und Mähren, las Pirchan zur Geschichte des „deutschen Volkes“ im 14. Jahrhundert. Diese Hinwendung zur „deutschen“ Geschichte und in gewisser Weise zur „Volksgeschichte“ wird auch an anderen Lehrveranstaltungen deutlich, so zur deutschen Stadt, zum deutschen Staat, zur deutschen Geschichte usw. Außerdem bot er im WS 1939/40 eine Vorlesung zum Ju- dentum des Abendlandes im Mittelalter an. Der Titel einer Lehrveranstaltung zu Italien lautete nun „Die italienischen Führerstaaten des 14. und 15. Jahrhunderts“77. 73 In der PA im UAP liegen diese nicht vor. Die Personalakte Pirchans im Schulministerium wurde nach dem Zweiten Weltkrieg skartiert. 74 Insgesamt handelt es sich bis zum WS 1943/44 um 91 Lehrveranstaltungen. Die Vorlesungsverzeichnisse für das SS 1944 und das WS 1944/45 lagen mir nicht vor. UAP, Ordnung der Vorlesungen an der Deutschen Universitat zu Prag (1919–1939/40) ; Ordnung der Vorlesungen an der Deutschen Karls-Universitat zu Prag (1939/40–1944/45). 75 „Dante und seine Zeit“, „Allgemeine Geschichte des Mittelalters im 14. Jahrhundert“. 76 So las er beispielsweise zu Dante und Petrarca sowie zur Renaissance. 77 Vgl. Ordnung der Vorlesungen an der Deutschen Karls-Universität zu Prag (1939/40–1944/45).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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