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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Seite - 347 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Gustav Pirchan (1881–1945) 347 zuvor den neu gegründeten Osteuropa-Lehrstuhl an der Deutschen Universität in Prag erhalten hatte, große Hoffnungen auf den Mittelalterlehrstuhl91. Der Berufungskommis- sion für die Nachfolge Mayers gehörten zunächst Mayer selbst, der Althistoriker Arthur Stein92, die Historiker Zatschek und Wostry, der Slawist Gerhard Gesemann sowie die Germanisten Erich Gierach und Herbert Cysarz an.93 Es bildeten sich zwei Lager heraus, eines um Mayer (der von Gesemann unterstützt wurde), welches Pfitzner favorisierte, und ein anderes um Wostry, das sich für Pirchan engagierte94. In der ersten Fassung des zwischen Urkunden- und Volkstumsforschung, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 66) 307–417. Zu Pfitzner vgl. Kolář, Geschichtswissenschaft in Zentraleuropa 1 (wie Anm. 3) 233–-264 ; Frank Hadler, Volksgeschichte für die „Deutschen im Sudentenland“. Zur Konzeption der sudetendeutschen Spielart eines Paradigmas deutscher Historiographie in den 30er Jahren, in : Historische West- und Ostforschung in Zent- raleuropa zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg – Verflechtungen und Vergleich, hg. v. Matthias Middell, Ulrike Sommer (Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur im 20. Jh. 5, Leipzig 2004) 133–149 ; ders., Vojtěch Šustek, Josef Pfitzner (1901–1945) Historiker. Geschichtsprofessor und Geschichtspoliti- ker, in : Prager Professoren 1938–1948 (wie Anm. 19) 105–135. Zur Tätigkeit Pfitzners im Proktorat siehe : Josef Pfitzner a protektorátní Praha v letech 1939–1945 [Josef Pfitzner und Prag während des Protektorats 1939–1945] 1 : Deník Josefa Pfitznera. Úřední korespondence Josefa Pfitznera s Karlem Hermannem Fran- kem [Das Tagebuch Josef Pfitzners. Die amtliche Korrespondenz Josef Pfitzners mit Karl Hermann Frank], 2 : Měsíční situační zprávy Josefa Pfitznera [Die Monatsberichte von Josef Pfitzner], hg. v. Alena Míšková, Vojtěch Šustek (Documenta Pragensia monographia. Volumen 11/1–2, Praha 200/1). 91 Der intrigante Pfitzner hatte am 21.12.1929 Hirsch nach Wien berichtet, dass Mayer den Ruf nach Gießen erhalten habe. Letzterer, Zatschek und er selbst hätten sich sogleich zusammengesetzt, um die Nachfolgefrage zu erörtern. Unisono seien sie, so Pfitzner, der Meinung gewesen, dass Pirchan ausgeschaltet werden müsse. Im Januar 1930 meinte Pfitzner noch, dass Zatschek ein unbedingter Gegner des Pirchanprojektes sei. Vgl. Pfitzner an Hirsch, 21.12.1929, 10.01.1930. MÚA, NL Pfitzner. Zu Pirchans Bewerbung siehe auch Manfred Stoy, Das Österreichische Institut für Geschichtsforschung 1929–1945 (MIÖG Erg.-Bd. 50, Wien/München 2007) 223f. Die ebd. gemachte Aussage, Zatschek wäre Mayers Nachfolger in Prag geworden, hat Hruza, Zatschek (wie Anm. 66) 720, bereits korrigiert. 92 Zu Stein siehe den Beitrag von Klaus Wachtel in diesem Band. 93 Zu Gierach und Gesemann siehe Ota Konrád, Eine lange Feindschaft. Die Prager Professoren Erich Gierach und Gerhard Gesemann in der tschechoslowakischen Republik und im Nationalsozialismus, in : AUC – HUCP 43 (2003) 173–191. 94 Aufschlussreich und charakteristisch für das Prager deutsche Universitätsmilieu sind auch Bergls Äußerungen über die Verhandlungen : Von dem Judenkandidaten aus Breslau wußte ich schon früher. Allein entgegen der An- sicht Zatscheks bin ich überzeugt, daß er Dr. Pirchan keineswegs gefährlich werden kann und wird. Den Mann wol- len die Juden und ihre Anhänger nicht an der Stelle Pfitzners im Vorschlag haben. Gegen Pirchan sind ja die Juden keineswegs, im Gegenteil, ihn möchten sie gern für sich reklamieren. Dies ist ja die größte Befürchtung Wostrys und des großen Mannes Gierach, daß Dr. Pirchan zu den Juden hinüberschwenken wird, sobald er im Kollegium sitzen wird, daß auf ihn in national-christlichen Belangen kein Verlaß sein wird. Das verriet mir noch vor meiner Abreise der Plauderer Gesemann. Bergl an Blaschka, 19.06.1930. NA, NL Blaschka, K. 6, Inv.-Nr.6. Der erwähnte „Ju- denkandidat“ ist der Breslauer Mediävist Richard Koebner, der von 1930 bis 1933 für Hermann Aubin dessen Breslauer Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte sowie geschichtli- che Landeskunde vertrat. Bergls Vermutung bestätigte sich. Koebner wurde trotz des gut passenden Profils für
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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