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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Seite - 354 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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354 Stefan Lehr mit einem Exkurs von Tomáš Borovský deutschen Prager Kollegen, wenn man von den zahlreichen verfolgten jüdischen Wissen- schaftlern der Prager Universität absieht127, waren nämlich in der Zeit des Protektorats aktive NSDAP-Mitglieder, die sich bereitwillig in den Dienst der Partei stellten und eine antitschechische Politik unterstützten128. Im Herbst 1938, als die „Sudetenkrise“ kul- minierte, nahm Pirchan als Besucher am internationalen Historikerkongress in Zürich teil129. Er traf dort mehrere Kollegen, tschechische wie auch deutsche. Im Unterschied zu den aktiveren sudetendeutschen Vertretern Pfitzner130, Wostry, Eduard Winter131 und Wilhelm Weizsäcker132 trat er jedoch nicht mit einem eigenen Vortrag auf133. Pirchan gehörte zu den sogenannten „geflohenen“ deutschen Professoren, die Prag in der Sudetenkrise 1938 verlassen hatten134. Seine „Flucht“ war aber von anderer Art als 127 Vgl. hierzu das Kapitel zur „Arisierung“ und politischen Säuberung sowie die biografische Übersicht über die Dozenten, welche die Universität im Rahmen der „Arisierung“ verlassen mussten. Míšková, Deutsche (Karls-) Universität (wie Anm. 6) 58–76, 285–290. 128 Genannt sei hier nur Schreiber, der personelle Umbesetzungen im Prager Stadtarchiv und im Historischen Institut initiierte. Andere deutschböhmische Historiker wie beispielsweise Weizsäcker und Blaschka profi- tierten von „arisiertem“ jüdischem Besitz. Pfitzner gestaltete als Primator-Stellvertreter die Politik gegenüber Tschechen und Juden in Prag maßgeblich mit. Odložilíks positive Erinnerungen an Schreiber sind bezüglich dessen Verhaltens im Protektorat nicht zutreffend. Zu Weizsäcker Hruza, „Wissenschaftliches Rüstzeug“ (wie Anm. 65) 486–488. Zu Blaschka und Schreiber siehe Lehr, Deutscher Einfluß (wie Anm. 63) 373– 374 ; ders., Deutsche und tschechische Archivare (wie Anm. 27) 434-435. Zu Pfitzner siehe Anm. 90. 129 Vgl. hierzu den tschechischen Bericht von Karel Stloukal, VIII. mezinárodní kongres věd historických v  Curychu [8. Internationaler Kongress der historischen Wissenschaften in Zürich], in : ČČH 34 (1938) 503–531. 130 Pfitzner hielt seinen angekündigten Vortrag („Der grenz- und auslandsdeutsche Gedanke im Jahre 1848“) jedoch nicht. 131 Zu Winter siehe Jiří NĚmec, Eduard Winter (1896–1982). „Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der österreichischen Geistesgeschichte unseres Jahrhunderts ist in Österreich nahezu unbekannt“ in : Österreichi- sche Historiker (wie Anm. 66) 619–675 ; ders., Eduard Winter, in : Handbuch der völkischen Wissenschaf- ten (wie Anm. 7) 763–766. 132 Zu Weizsäcker vgl. Joachim Bahlcke, Wissenschaft im sudetendeutschen Volkstumskampf. Zur hochschul- politischen Tätigkeit des Prager Rechtshistorikers Wilhelm Weizsäcker in der Zeit vom Münchener Abkom- men 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, in : Wissenschaft in den böhmischen Ländern 1939–1945, hg. v. Antonín Kostlán (Praha 2004) 118–135 ; Hruza, „Wissenschaftliches Rüstzeug“ (wie Anm. 65) 479–494. 133 Wostry widmete sich einem aktuellen politischen Thema („Das Problem des Nationalitätenstaates in der böh- mischen Revolution des Jahres 1848“). Zudem hielten von den Prager Professoren der Althistoriker Arthur Stein und der Rechtshistoriker Otto Peterka Vorträge. Von tschechischer Seite nahmen zwei ehemalige Ar- chivkollegen Pirchans teil : Prokeš und Václav Čejchan. Weitere Prager Mitwirkende, die Pirchan persönlich kannte, waren Mendl und Odložilík. Zum Programm des Historikertages vgl. Résumés des communications présentées au Congrés de Zurich (1938), in : Bulletin of the International Committee of Historical Sciences 10 (1938) 145–726. 134 Vgl. hierzu Věra Vomáčková, Německá universita v Praze mezi Mnichovem a 15. březnem 1939 [Die Deut- sche Universität in Prag zwischen München und dem 15. März 1939], in : AUC – HUCP 15 (1963) 3–19 ;
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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