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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 357 -
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Gustav Pirchan (1881–1945) 357 spielsweise, dass er an der Trauerfeier für den stellvertretenden Reichsprotektor Rein- hard Heydrich teilgenommen habe und dass ihm Zatscheks Rückberufung von Wien nach Prag in diesem Augenblick – wohl auch aus „volkspolitischen“ Gründen – sehr wünschenswert erscheine146. In einem Nachruf auf seinen „Doktorvater“ Werunsky hob Pirchan dessen nationale Gesinnung, der er in seinem Einsatz für das „Sudetendeutsch- tum“ Ausdruck verliehen habe, und dessen NSDAP-Mitgliedschaft hervor147. In der Hauptversammlung des Jahres 1941 war der VGDB bereits in „Verein für Ge- schichte der Deutschen in den Sudetenländern“ umbenannt und gleichgeschaltet worden. Der neue Geschäftsführer Rudolf Schreiber legte nun den Geschäftsbericht über die Ver- einstätigkeit von 1938–1940 vor148. Auch für die nächsten Jahre wird Pirchan nicht mehr unter den Mitgliedern der Vereinsleitung genannt. Aus welchen Gründen er nach über zwanzig Jahren aus dem aktiven Vereinsleben ausschied, ist bis heute unklar. Es bleibt offen, ob er aus eigenem Entschluss, aus gesundheitlichen Gründen oder aber auf Drän- gen von anderer Seite, beispielsweise wegen seiner fehlenden NSDAP-Mitgliedschaft, 1941 keine Aufnahme in den Ausschuss des Vereines mehr fand149. Da „Vereinsführer“ Wostry Pirchan nahestand, wird es sich jedoch wahrscheinlich um Pirchans eigene Entscheidung gehandelt haben. So wurde Pirchan auch wiederholt als Archivfachmann für verschiedene leitende Ämter vorgeschlagen, die er unter Berufung auf seine schlechte Gesundheit jedoch ablehnte150. Er publizierte aber weiterhin in den Organen des Vereines und nahm beispiels- 146 Heute habe ich bei der Trauerfeier für den verewigten Reichsprotektor viel und herzlich an Sie gedacht, als der Rektor mit den eigenen Worten dem Dahingegangenen sein inniges Verständnis für Hochschule und Wissenschaft darlegte. Vor allem Sie, verehrter Herr Professor, sind ja berufen, das Vermächtnis zur Tat werden zu lassen und Ihre Rückberufung erhält damit einen noch viel tieferen und ernsteren Sinn als sie vordem schon hatte. Pirchan an Zatschek, 08.06.1942. MÚA, NL Zatschek, Sig. IIb1, K. 5 Inv.-Nr. 327. 147 Pirchan, Werunsky (wie Anm. 4) 106. 148 Rudolf Schreiber, Aus dem Verein für Geschichte der Deutschen in den Sudetenländern, in : ZSG 5 (1941/42) 335–336. Hans Lemberg, Von den Deutschböhmen zu den Sudetendeutschen, in : Geschichts- schreibung zu den böhmischen Ländern (wie Anm. 3) 95–108, hier 105, führt fälschlich an, dass Pirchan nach der Gleichschaltung 1939 weiterhin die Funktion des Geschäftsführers innegehabt habe. Den letzten Tätig- keitsbericht erstatte Pirchan auf der Hauptversammlung des Vereines am 01.04.1938 für die Jahre 1936/37. Gustav Pirchan, Bericht über die Tätigkeit des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen im 74. und 75. Vereinsjahre 1936/37, in : ZSG 2 (1938) 135–137, sowie parallel in : MVGDB 76 (1938) 75–77. 149 Aufgrund der neuen Vereinssatzung wurden die Ausschussmitglieder nicht mehr gewählt, sondern vom „Ver- einsführer“ Wostry ernannt. Vgl. Hruza, „Wissenschaftliches Rüstzeug“ (wie Anm. 65) 509, und : Die Jah- restagung des Vereins für Geschichte der Deutschen in den Sudetenländern 1941, in : MVGDS 80 (1943) 106–113, hier 107–108. 150 Vorschläge für die Weiterführung der Archivalientrennung im Protektorat Böhmen und Mähren, Meinert an Wagner (IM), 04.1940. BAB, R 1506/35, Bl. 32 ; Meinert an Zipfel, 30.06.1940. BAB, R1506/ 40, Bl. 30 ; Vorschläge für eine Rückforderung von sudetendeutschem Archivmaterial aus den Prager und Brünner Archiven. Rudolf Schreiber, 03.10.1938. BAB, BDC Ahnenerbe, PA Rudolf Schreiber. Zum Archivwesen im Protektorat siehe Lehr, Deutscher Einfluß (wie Anm. 63) 370–376.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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