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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 359 -
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Seite - 359 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Gustav Pirchan (1881–1945) 359 Das Ende der Besatzung war für die deutsche Bevölkerung im Protektorat mit Entrech- tung und Zwangsaussiedlung verbunden. Pirchan wurde im Mai 1945 in Prag festgenom- men. Zatschek berichtete seinem Kollegen Wilhelm Bauer, dass Pirchan vor den Augen seiner Frau auf der Prager Polizei massiv misshandelt und dann von ihr getrennt worden sei158. Am 24.  Mai 1945 überführte man ihn aus dem Prager Gefängnis Pankrác in das ehe- malige Konzentrationslager Theresienstadt, welches nun als Internierungslager für Deut- sche diente. Dort verstarb Gustav Pirchan am 22.  September in der Kleinen Festung159. Der tschechische Kollege Kazbunda erinnerte sich nach dem Krieg in seinen Memoi- ren an Pirchans trauriges Ende : Das Schicksal, welches diesen gemäßigten Deutschen, einen außergewöhnlich gebildeten Menschen, danach in der Folge des durch Hitler zerstörten Zu- sammenlebens beider Nationalitäten traf, war extrem unverdient und traf jeden schwer, der ihn näher kannte160. Der 1948 aus der kommunistischen Tschechoslowakei in die USA emigrierte Historiker Otakar Odložilík161 traf sich während seiner Europareisen in den 1950er und 1960er Jahren mindestens dreimal mit Pirchans Witwe162. VII. „Im Dienste unseres Volkes.“163 Der Historiker Pirchans historiografisches Werk ist, obgleich nicht besonders umfangreich, zeitlich breit angelegt und deckt die Epochen Mittelalter, Frühe Neuzeit und Neuere Geschichte ab. Seine wissenschaftliche Hauptleistung machen die Forschungen zu Kaiser Karl IV. 158 Zatschek an Bauer, 04.10.1945. Zitiert nach Hruza, Zatschek (wie Anm. 66) 691. 159 SOA v  Litoměřicích. Internační středisko Terezín [Internierungslager Theresienstadt], Inv.-Nr. 189. – Ober- dorffer, Pirchan (wie Anm. 1) 80, nennt den 22.06.1945, Santifaller, Institut (wie Anm. 21) 129, den 22. oder 23.07.1945 als Todestag. Der Todesschein ist jedoch auf den 22.09.1945 ausgestellt. Vgl.;. 160 Mé archivní poslání ve Vídni, Bl. 148  f. ANM, NL Kazbunda, K. 32. Kazbunda (an Roubík, 10.02.1963. MÚA, NL Roubík, Sig. IIb, Inv.-Nr. 145) erinnerte sich nostalgisch an seine Wiener Zeit in jungen Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg. Während seines letzten Aufenthaltes in Österreich 1947 spürte er, dass man sich ihm gegenüber sehr kühl verhalten habe. Dies erklärte er sich als eine Folge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die er als einen Fehler bezeichnete. 161 Odložilík wurde schon Anfang der 1930er-Jahre an die Karls-Universität als Professor berufen und schied damals aus dem Archivdienst aus. Siehe auch Anm. 52f. 162 Erstmals trafen sie sich 1956 in Österreich. Beide schickten von dort Blaschka, einem ehemaligen Kollegen der beiden Archivare, der inzwischen in Halle lebte, eine Postkarte mit gemeinsamen Grüßen. Acht Jahre später begegneten sich Frau Pirchan und Odložilík erneut, diesmal in Augsburg, und wiederum schrieben sie Blaschka. Aus einem Brief Odložilíks geht hervor, dass er sich mit Pirchans Ehefrau danach noch einmal in Göttingen traf. In einer Postkarte aus Rom erwähnte Odložilík Blaschka gegenüber, dass er bei dem Wort „Italien“ sofort an Pirchan gedacht habe und dass er Pirchans Witwe schreiben werde. Odložilík und Else Pirchan an Blaschka, 25.07.1956, 01.08.1964 ; Odložilík an Blaschka, 11.02.1961, 11.01.1969. 163 Pirchan über den VGDB, in : MVGDB 70 (1932) 120.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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