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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 366 -
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Seite - 366 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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366 Stefan Lehr mit einem Exkurs von Tomáš Borovský kulturellen Lebensraum zu gewähren. Der „überwiegend jüdisch-bolschewistischen Pro- paganda“ gab Pirchan die Schuld daran, dass „die hellsichtigen tschechischen Kräfte“ in der Zwischenkriegszeit nicht die Oberhand gewonnen hätten202. Die von ihm begrüßte Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren führe das tschechische Volk wieder in den Verband des Deutschen Reiches zurück und ermögliche ihm eine vermeintlich gedeihliche Zukunft203. Wie ernst Pirchan diese Aussagen im Sommer 1939 gemeint hat, sei dahingestellt. Die zuletzt angeführten Passagen stehen mit der zuvor geforderten „Gleichberechtigung“ bei- der Völker in Böhmen jedoch nicht mehr im Einklang. Die Feststellung, durch die Schaf- fung des Protektorats sei „das uralte Problem eines Raumes mit zwei Völkern wesentlich vereinfacht“ worden, übersieht, dass dies auf Kosten und gegen den Willen der Tschechen geschah. Andererseits enthält aber auch die Fassung von 1939 wohlwollende Worte über die Tschechen204. Zudem ließ Pirchan den Text von 1937 weitgehend unverändert und ergänzte ihn lediglich um den Zeitabschnitt nach 1918. Die anderen in jener Zeit (1938–1944) publizierten Texte Pirchans sind sachlich ge- halten. Dem aufmerksamen Leser entgeht jedoch nicht, dass der durch den „nationalen Kampf“ zwischen Deutschen und Tschechen offensichtlich aufgewühlte Pirchan immer wieder das nationale Element hervorhebt205. Ein kurzer Beitrag aus dem Jahr 1938 be- 202 Pirchan, Sudetendeutschtum 1939 (wie Anm. 176) 645. 203 Ebd. 647. 204 Pirchan sprach beispielsweise über den „von Natur aus friedfertigen Nationalismus der Tschechen“, von der „reichbegabten Wesensart der Tschechen“ sowie über „die hellsichtigen tschechischen Kräfte“, die angeblich einer „jüdisch-bolschewistischen Propaganda“ unterlagen. Ebd. 642. 205 Im Text über Prokop Waldvogel spricht Pirchan vom „deutschen Goldschmied“, der „urgermanischen Erbes waltend“ der „deutschen Buchdruckerkunst, dieser Weltleistung deutschen Geistes“, zu Leben und Gedeihen verholfen habe. Pirchan, Prokop Waldvogel (wie Anm. 172) 145. Bezeichnend für Pirchans Stil ist auch der folgende Satz : „Im aufsteigenden fünfzehnten Jahrhundert, da deutsche Eigenart auf mannigfachsten Sonder- wegen um Durchbruch und Entfaltung rang, stand nicht nur der bildende Künstler im Kampfe um eine neue Erfassung und harte, klare Darstellung der Erscheinungswelt, auch an den mancherlei Arbeitsstätten des ho- hen und schlichteren Kunstgewerbes grübelte und schaffte deutscher Geist, um den Elementen neue künstleri- sche und gemeinnützige Ausdrucksformen abzulauschen.“ Ebd. 131. Pirchan, „Rhetor et poeta“ (wie Anm. 172) 229, plädierte „im Sinne schärferer Erfassung deutscher Eigenart, im Sinne sorgfältigerer Umgrenzung deutschen Bodens innerhalb der Überflutung durch fremdes Kulturgewell“ unter Berufung auf Hans Hirsch für „eine einheitliche nationale Geschichtsschreibung, die die Vorrausetzung ist für jenes verfeinerte, veredelte und vertiefte Nationalgefühl“ sei. Der Wechsel des Wohnortes des Johannes von Saaz (Žatec) nach Prag im Jahre 1411 war ihm ein Beleg dafür, dass sich der Ackermannsdichter bei praktischen Entschlüssen keineswegs vom Bewusstsein seiner Volkszugehörigkeit habe leiten lassen. Der allem Anschein nach freiwillige Wegzug aus der deutschen in die tschechische Umgebung musste Pirchan zufolge „doch wohl aus Gründen erfolgt sein, die mit der deutschen Seele diese Mannes nichts gemein haben konnten. Die deutsche Seele unseres Johannes aber lebt in seiner Dichtung fort“. Ebd. 221. Gutenbergs Buchdruck bezeichnete er 1942 als eine „der stolzesten Erfindungen aus germanischem Geiste, eine technisch-wirtschaftliche Leistung des deutschen Bürgertums,
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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