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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 373 -
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Seite - 373 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Gustav Pirchan (1881–1945) 373 zum Obersektionsrat befördert. Die Berufung zum Professor an die Deutsche Universität in Prag verdankte Pirchan neben dem Einsatz der Kollegen Wostry und Zatschek nicht zuletzt auch dem Wohlwollen des tschechoslowakischen Schulministeriums. Seine Karriere verlief gemessen an vielen Prager Kollegen wenig spektakulär. So stand er an Zahl der Publikationen, an Engagement, Einfluss und Ämtern im Schatten sowohl des älteren Wostry als auch Pfitzners und Zatscheks, die beide einer jüngeren Genera- tion angehörten. Pirchan begnügte sich im VGDB und im Archiv mit einer sekundären Rolle. Auch an der Deutschen Universität in Prag fielen Pirchans wissenschaftliches „Machtkapital“238 und Prestige gering aus. Trotz einer mehrjährigen Tätigkeit als Profes- sor (1933–1945) gründete er keine Schule in seinem Umfeld. Auch der Forschung gab er nach seiner Habilitationsschrift, die 1930 erschien, keine wesentlichen Impulse mehr. Die Gründe dafür, dass Pirchan keine größere Aktivität entfaltete, waren vielfältig. Der Dienst im Archiv schränkte bis 1933 seine Zeit für wissenschaftliche Forschungen ein. Immer wieder wurde seine Leistungsfähigkeit zudem durch gesundheitliche Probleme beeinträchtigt. Aber auch ein gewisser Hang zum Perfektionismus und persönliche Vor- lieben wie die wiederholten mehrmonatigen Urlaubs- und Studienreisen werden dazu beigetragen haben, dass Pirchan wenig als exponierter Forscher hervortrat. Sein kultivier- tes und zurückhaltendes Auftreten haben ihm jedoch auch Sympathien eingetragen. Dass Pirchan weitgehend in Vergessenheit geraten ist, liegt in seinem frühen Tod, dem Ende der Deutschen Universität in Prag 1945 und dem Fehlen eines Schülerkreises begründet. Man wird Pirchan zu den traditionellen deutschböhmischen Historikern rechnen dür- fen, deren Sozialisation sich noch in der alten k.k. Monarchie vollzog. Darin unterschied er sich von der radikaleren, jüngeren Historiker-Generation, zu der man beispielsweise Pfitzner, Zatschek und Schreiber zählen kann. Von dem Kreis der Prager deutschen His- toriker hob sich Pirchan durch seine Arbeit und sein Interesse für Italien sowie kultur- geschichtliche Fragen ab. Pirchans Hauptwerk zur zweiten Romfahrt Karls IV. folgte keinen politischen Moden und behielt seinen Wert über die Jahre. Er legte aber auch populistische und nationalistische Beiträge vor – und dies bereits vor der Zeit des Pro- tektorats. 1918 und 1939 trat er in seinen Schriften als Vertreter einer das Deutschtum verherrlichenden Geschichtsschreibung auf, welche die Tschechen und ihre Geschichte einseitig bewertete. Sicherlich wurde Pirchans Urteil durch seine deutschnationale aka- demische Sozialisation und das politische Tagesgeschehen des deutsch-tschechischen „Volkstumskampfes“ bestimmt. Andererseits ergibt sich ein differenzierteres Bild, wenn man Pirchans gesamtes Werk betrachtet und es mit den Publikationen anderer deutscher Autoren in Böhmen vergleicht. So finden sich in seinen Schriften auch anerkennende 238 Dazu zählt Kolář, Geschichtswissenschaft in Zentraleuropa 1 (wie Anm. 3) 56–62, die Mitgliedschaft in Kommissionen und akademische Ämter, die Zahl der Promovierenden und Habilitanden.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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