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Adolf Grohmann (1887–1977) 381
ner selbstreflektierenden Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, dies allerdings
unabhängig von fachlicher Ausrichtung. „Als beinahe einheitliches Grundmuster, soweit
die Quellen Eindeutigkeit erlauben, zeigt sich in der Selbsteinschätzung die Behauptung,
die wissenschaftliche Tätigkeit fernab und möglichst unbehelligt von der rassischen Welt-
anschauung der Nationalsozialisten bis zum bitteren Kriegsende fortgesetzt zu haben.“8
Wissenschaftshistorisch galten lange Zeit die Untersuchungen von Johann Fück und
Rudi Paret als die maßgeblichen Darstellungen zur Geschichte der deutschen Orientalis-
tik, die sich streng am Werk der beschriebenen Persönlichkeiten orientierten9. Inzwischen
haben bedeutsame Publikationen dem geschilderten Missstand abgeholfen und versuchen,
das weite Feld der Orientalistikgeschichte vom 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des
20. Jahrhunderts in moderner Weise darzustellen10. In der Bezeichnung Orientalistik inbe-
griffen sind selbstverständlich in Teilaspekten der Orientalistik ausgebildete Wissenschaft-
ler mit einem historisch-hilfswissenschaftlichen Schwerpunkt, wobei zu bedenken ist, dass
diese meist nicht eine klassisch-historische Ausbildung hatten, sondern von der semitischen
bzw. orientalischen Philologie kamen. Als ein solcher hat Adolf Grohmann zu gelten, der
vor allem mit seinen Forschungen zur arabischen Papyrologie in Verbindung gebracht wird.
Er entwickelte in seinen Studien und späteren Arbeiten die Verbindung der Disziplinen der
Orientalistik mit den Historischen Hilfswissenschaften auf einem hohen Niveau.
II.
Adolf Grohmann wurde am 1. März 1887 in Graz als Sohn des Kaufmanns Alois Groh-
mann geboren11. Über seine Kindheit und schulische Ausbildung ist nur so viel bekannt,
talist war, andererseits als Bildungsminister in der Weimarer Republik ein hohes politisches Amt ausübte.
Vgl. Alexander Haridi, Das Paradigma der „islamischen Zivilisation“ – oder die Begründung der deutschen
Islamwissenschaft durch Carl Heinrich Becker (1876–1933) (Mitteilungen zur Sozial- und Kulturgeschichte
der islamischen Welt 19, Würzburg 2005).
8 Monika Glettler, Tschechische, jüdische und deutsche Professoren in Prag, in : Prager Professoren 1938–
1948. Zwischen Wissenschaft und Politik, hg. v. ders., Alena Mišková (Veröff. zur Kultur und Geschichte
im östlichen Europa 17, Essen 2001) 13–27, hier 21.
9 Johann Fück, Die arabischen Studien in Europa bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts (Leipzig 1955) ; Rudi
Paret, Arabistik und Islamkunde an deutschen Universitäten. Deutsche Orientalisten seit Theodor Nöldeke
(Wiesbaden 1966).
10 Hier zu nennen sind für das 19. und das 20. Jahrhundert mit Angaben zu Literatur und einer genaueren
Diskussion der Wissenschaftshistorie der Orientalistik : Ludmila Hanisch, Die Nachfolger der Exegeten.
Deutschsprachige Erforschung des Vorderen Orients in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Wiesbaden
2003) ; Sabine Mangold, Eine „weltbürgerliche Wissenschaft“ – Die deutsche Orientalistik im 19. Jahrhun-
dert (Stuttgart 2004) ; Ellinger, Orientalistik (wie Anm. 6). Ganz neu ist die umfassende Monografie von
Wokoeck, Orientalism (wie Anm. 3), die allerdings stark auf den Arbeiten von Hanisch und Ellinger aufbaut.
11 Zu Grohmann selbst ist wenig geschrieben worden, vgl. den Nachruf von Hans Ludwig Gottschalk in :
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien