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Adolf Grohmann (1887–1977) 391
„Professur für semitische Philologie und Islamforschung“ führen, das erste Extraordina-
riat „Professur für semitische Philologie mit besonderer Berücksichtigung des Hebräi-
schen und Aramäischen“ und schließlich das zweite Extraordinariat „Professur für arabi-
sche Paläographie und Kulturgeschichte des Orients“. Grohmann wurde auf das zweite
Extraordinariat berufen59. Mit Prag durch seine Schuljahre gut vertraut, zögerte Groh-
mann nicht, von seiner Position in der Papyrussammlung zurückzutreten, auch wenn er
bekundete, dass es ihn schmerze, diese reiche Sammlung zurückzulassen. Kurz nach seiner
festen Zusage in Prag erhielt Grohmann die Ernennung zum außerordentlichen Professor
an der Universität Wien60. Diese musste Grohmann ausschlagen, weil er in Prag schon fest
zugesagt hatte und sich in seinem Wort gebunden fühlte61.
IV.
Die Situation der Prager Universitätslandschaft ist in der Geschichte der mitteleuropä-
ischen Universitäten einmalig62. 1882 wurde die 1348 von Karl IV. gegründete älteste
Universität Mitteleuropas in Prag wegen der zu eskalieren drohenden Nationalitätenkon-
flikte zwischen Tschechen und Deutschen mit kaiserlichem Dekret in eine k. k. Deut-
sche Karl-Ferdinands-Universität und eine k. k. Böhmische Karl-Ferdinands-Universität
geteilt. Dies bewirkte eine strenge Teilung der Unterrichtssprachen, allerdings verblieb
die große Menge der Institute und Gebäude bei der Deutschen Universität, während für
die Tschechische Universität erst mit der Zeit Gebäude errichtet und Institute gegrün-
det wurden63. Unter deutschösterreichischen Professoren war die Deutsche Universität
eine beliebte Zwischenstation auf dem Karriereweg an eine bedeutsamere Universität, die
Tschechische Universität zog hingegen vermehrt jüngere tschechische Wissenschaftler an.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Trennung der beiden Universitäten noch
verschärft, ein gleichzeitiges Einschreiben an beiden Universitäten, das bislang möglich
59 Ebd. Kommissionsbericht 04.1920.
60 UAW, PA Grohmann, fol. 36, eigenhändiger Brief Grohmanns.
61 Ebd.
62 Vgl. hierzu die Überblicke bzw. Detailstudien : Alena Mišková, Die Deutsche (Karls-)Universität vom Mün-
chener Abkommen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (Universitätsleitung und Wandel des Professoren-
kollegiums) (Prag 2007) ; Pavel Kolař, Geschichtswissenschaft in Zentraleuropa. Die Universitäten Prag,
Wien und Berlin um 1900 1–2 (Berlin 2008), hier 1 40–45 ; Glettler, Professoren (wie Anm. 8) 13–27 ;
Peter Hilsch, Heidrun Dolezal, Daten zur Entwicklung der Prager Universitäten, in : Universitäten in
nationaler Konkurrenz. Zur Geschichte der Prager Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Hans
Lemberg (Veröff. des Collegium Carolinum 86, München 2003) 9–18.
63 Hilsch/Dolezal, Daten (wie Anm. 62) 13.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien