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Adolf Grohmann (1887–1977) 393
Am 25. Oktober 1921 hielt Grohmann seine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Neue
Ergebnisse aus den Arabischen Papyri“ und kündigte seine Lehrveranstaltungen für das
WS 1921/22 an, die noch nicht im Vorlesungsverzeichnis aufscheinen konnten : Arabi-
sche Grammatik für Anfänger (2 St.), Arabische Paläografie (2 St.), Geschichte des ara-
bischen Kalifats bis zum Sturze der Omajjaden (1 St.), Seminaristische Übungen : Inter-
pretation leichter arabischer Prosatexte (2 St.)72. Grohmann setzte damit das Lehrkonzept
fort, das er in Wien begonnen hatte und in seiner gesamten Berufslaufbahn mehr oder
weniger beibehalten sollte. Er bot einen gewissen Vorlesungszyklus : Regelmäßig las er
einen Anfängerkurs Arabisch sowie Äthiopisch über ein ganzes Jahr hinweg. Daran schloss
er bestimmte Sprachübungen zur Syntax beziehungsweise zu Text- und Inschriftenlektüre
an. Darüber hinaus las Grohmann ergänzende Vorlesungen zu Lektüre und Interpretation
arabischer Dichtung, zu Kunst des alten Orients, zu Geschichte des Kalifats bis zum Ende
des Omajadenreiches, zu semitischer Epigrafik und arabischer Numismatik73.
Grohmann hatte als Extraordinarius an der Deutschen Universität begonnen, aber be-
reits 1922 stellte eine Kommission den Antrag auf Beförderung des a.o. Professors zum
Ordinarius, dem mit Rechtswirksamkeit zum 31. Dezember 1923 zugestimmt wurde74.
Die Kommission begründete ihren Antrag vor allem mit dem großen wissenschaftlichen
Fleiß, den Grohmann an den Tag legte, so ist in erster Linie auf die gross angelegte Arbeit
‚Südarabien als Wirtschaftsgebiet‘75 hinzuweisen. […] Es enthält folgende Hauptabschnitte :
1. Das Land, 2. Die Bewohner, 3a) Die Urproduktion, 3b) Mineralschätze und Bergbau, 4)
Jagd, Fischerei, Viehzucht und Bienenzucht, 5) Die Landwirtschaft. Grohmanns Arbeit zeich-
net sich durch sorgfältige und kritische Benützung des überaus reichen Quellenmaterials, das
uns die arabischen Schriftsteller und die moderne Reiseliteratur bieten, aus, und er bietet uns
in dieser Arbeit gegenwärtig wohl das beste Werk über den klassischen antiken Kulturboden des
alten Südarabien als modernes Wirtschaftsgebiet76. Die Arbeit, die sich über nahezu zwanzig
Jahre hinzog, fußte vor allem auf der Bearbeitung und Auswertung der Glaser’schen Ta-
gebücher, die der junge Grohmann begonnen hatte. Ein Rezensent stellte fest, dass es die
Entzifferung der südarabischen Inschriften der Sammlung Glaser gewesen war, „which led
the author to realize the importance of a knowledge of medieval and modern South Ara-
bia for an adequate understanding of the ancient […]“77. Grohmanns wissenschaftliche
Hauptleistung besteht in der akribischen Suche und Zusammenführung von Quellen in
verschiedenen Sprachen und ihrer inhaltlichen Verknüpfung. Seine Fachgebiete erstreck-
72 UAP, PA Grohmann.
73 Ordnung der Vorlesungen an der Deutschen Universität in Prag, WS 1921/22–SS 1925.
74 UAP, PA Grohmann, Schreiben vom 20.05.1927.
75 Adolf Grohmann : Südarabien als Wirtschaftsgebiet 1–2 (Wien 1922, Brünn 1933).
76 UAP, PA Grohmann.
77 R. Levy, Rez. ohne Titel, in : Journal of the Royal Asiatic Society 4 (1934) 352f.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien