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Adolf Grohmann (1887–1977) 395
Bereits 1921 hatte er geheiratet und war Vater zweier Kinder, Irmelin (geb. 1922) und
Erwin (geb. 1923), geworden.
1928 wurde auch an der (tschechischen) Karls-Universität ein Orientalisches Institut
(Orientální ústav) gegründet. Dieses hatte den klaren Auftrag, sich vor allem den Wirt-
schaftsbeziehungen mit dem Orient zu widmen, womit es sich in der Aufgabenstellung
stark von dem Seminar für semitische Philologie an der Deutschen Universität unter-
schied84. Als Publikationsorgan des Instituts wurde die Zeitschrift Archiv Orientální ge-
gründet, als dessen Hauptherausgeber Hrozný fungierte, Grohmann neben Musil, Rypka
und anderen jedoch als Mitherausgeber aufschien und wohl auch Mitglied des Institutes
wurde, das zu den monatlichen Institutssitzungen hinzugezogen wurde85. Grohmann
nahm dokumentierterweise jedoch nur ein einziges Mal an einer Sitzung der Mitglieder
des Institutes teil, und zwar am 14. April 1931, als er über seine Reise nach Ägypten be-
richtete, auf der er den Grundstein zu seiner langjährigen Kooperation mit der äyptischen
Nationalbibliothek legte, deren Papyri er im Laufe der Jahre er herausgab86.
Grohmann hatte mit der Unterstützung des Orientální ústav 1930 eine Forschungs-
reise nach Ägypten unternommen. In der ägyptischen Nationalbibliothek erstellte er eine
Liste von 600 Stücken, von denen er 185 für die Publikation vorbereitete. In Verhand-
lungen mit dem Erziehungsministerium konnte er erreichen, dass er mit der Publikation
dieser Papyri betraut wurde. Die Publikation sollte unter ägyptischer Leitung erfolgen87.
Grohmann nutzte den Aufenthalt auch für Reisen nach Fayyum, einem der Hauptfund-
orte der Papyri aus der Sammlung Erzherzog Rainer, und stellte dort fest, dass die früh-
islamischen Städte mehrheitlich auf den Ruinen alter griechischer Städte errichtet worden
waren und nicht dort, wo sich die Städte heute befinden. Auch nach der Schließung der
Karls-Universität 1939 konnte die Zeitschrift Archiv Orientální weitergeführt werden. Sie
Staatbürgerschaft habe, außerdem habe er laut Auskunft der Gesandtschaft der Republik Österreich seine
österreichische Staatsbürgerschaft verloren. UA Prag, Deutsche Universität, PA Grohmann, Schreiben vom
20.05.1927. Der Ausgang dieses Antrags ist nicht bekannt, fest steht lediglich, dass sich Grohmann unter Beru-
fung auf seine österreichische Staatsbürgerschaft nach 1945 wiederum um Anstellung in Österreich bemühte.
84 Siehe dazu Zbavitel, Orientalistik (wie Anm. 67). Der Autor nimmt nur auf das Institut der tschechischen
Karls-Universität Bezug und nicht auf die Tätigkeiten Grohmanns und anderer deutschsprachiger Orientalis-
ten in Prag.
85 Im Vorwort der ersten Ausgabe wurden die Ziele der Zeitschrift definiert : „The aim of the Czechoslovak Insti-
tute (Orientální ústav) in Prague (Praha) which has been founded by the munificent endowment of the Presi-
dent of the Czechoslovak Republic, T. G. Masaryk, on the occasion of his seventeenth birthday anniversary, is
to start and keep scientific and economic relations with the Orient.“ Siehe : Archiv Orientální 1 (1929) o.S.
86 Archiv Orientální 3 (1931) 191.
87 Der erste Band der Papyri erschien bereits 1934 : Grohmann, Arabic Papyri, 1 (wie Anm. 82). Im Vorwort
des ersten Bandes, der König Fuad I. gewidmet ist, beschreibt er ebenfalls den Hergang dieser großen Unter-
nehmung.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien