Seite - 398 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Bild der Seite - 398 -
Text der Seite - 398 -
398 Sibylle Wentker
auch in die Reinhard-Heydrich-Stiftung eingegliedert, als dessen Leiter Grohmann ab
1943 in den Vorlesungsverzeichnissen aufschien101. Wieweit Grohmann eine aktive Rolle
in diesem Institutsverband spielte, lässt sich derzeit nicht feststellen, zumal sein Personal-
akt an der Universität in Prag bereits 1930 endet.
Die Biografie Grohmanns hält neben einem möglicherweise aus Opportunismus
erfolgten Parteibeitritt auch Details bereit, die vermuten lassen, dass er nicht nur ein
stiller Mitläufer war, sondern bereit war, mit dem Regime zu kooperieren, wenn er das
Gefühl hatte, es könnte der Sache seines Instituts dienen. Zum einen betrifft das die
zumindest unrühmliche Rolle Grohmanns im Zusammenhang mit dem Schicksal der
deutsch-jüdischen Arabistin Hedwig Klein102. Peter Freimark hat in den 1980er-Jahren
noch mit Zeitzeugen gesprochen und die traurige Geschichte dieser deutschen Arabistin
aufgeschrieben, der auch diese Darstellung folgt. Klein hatte von 1931 bis 1935 in Ham-
burg Islamwissenschaft, Semitistik und Englische Philologie studiert. Obwohl Juden seit
dem 15. April 1937 nicht mehr zur Promotion zugelassen wurden, gelang es Klein, unter
Berufung auf ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Vater sich zur Promotion anzumelden,
und das Rigorosum konnte am 18. Dezember 1937 stattfinden. Die Promotionsurkunde
wurde Klein jedoch nicht mehr ausgestellt. Sie verließ daraufhin nicht das Land, auch
wenn man ihr das nahelegte. Ihre beiden Lehrer Carl Rathjens103 und Arthur Schaade104
setzten sich für sie ein, über Rathjens Vermittlung bekam Klein eine wissenschaftliche
Stelle in Bombay. Über ihren Reisevorbereitungen brach jedoch der Zweite Weltkrieg
aus, und Kleins Schiff verließ Amsterdam nicht in Richtung Indien, sondern fuhr nach
Hamburg zurück. Schaade vermittelte Klein daraufhin als wissenschaftliche Hilfskraft an
das Wörterbuchprojekt von Hans Wehr105. 1941 konnte Hedwig Klein noch von einem
Abtransport in ein Konzentrationslager unter Berufung auf kriegswichtige Tätigkeit zu-
rückgestellt werden, aber am 11. Juli 1942 wurde sie offenbar mit dem ersten Transport,
der von Hamburg direkt nach Auschwitz ging, mitgeschickt. Dort verliert sich ihre Spur,
wann sie in Auschwitz umgekommen ist, bleibt unbekannt.
101 Ebd. 148–150. und Andreas Wiedemann, Die Reinhard-Heydrich-Stiftung in Prag (1942–1945) (Han-
nah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Berichte und Studien 28, Dresden 2000) 50f.
102 Peter Freimark, Promotion Hedwig Klein – zugleich ein Beitrag zum Seminar für Geschichte und Kultur
des Vorderen Orients, in : Hochschschulalltag im „Dritten Reich“. Die Hamburger Universität 1933–1945,
Teil II. Phil. Fak., hg. v. Eckart Krause (Berlin 1991) 853–864.
103 Vgl. den Nachruf von H. v. Wissmann, in : Der Islam 46,1 (1970) 55–63.
104 Vgl. den Nachruf v. Albert Dietrich, in : Der Islam 31,1 (1953) 1–3.
105 Autor des bekannten arabisch-deutschen Wörterbuches : Hans Wehr, Arabisches Wörterbuch für die
Schriftsprache der Gegenwart (Erstauflage Leipzig 1952, zahlreiche bisher). Wehr schreibt in seinem Vorwort
(VII) eine Danksagung : „Dankbar verwendete Beiträge z.T. von größerem Umfang stellten zur Verfügung
[…], Fräulein Dr. H. Klein, […].“ Vgl. s. Nachruf von Wolfdietrich Fischer, in : Der Islam 59,1 (1982)
1–3.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien