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Adolf Grohmann (1887–1977) 403
dem nun abgesetzten Regime hervorragend arrangiert hatte. August Haffner118 war einige
Jahre vor Grohmann mit einer Dissertation über ein arabistisches Thema promoviert wor-
den119. Ab 1906 lehrte er an der Universität Innsbruck. Sein Hauptinteresse bestand neben
der arabischen Lexikografie auch in der Bearbeitung der äthiopischen Überlieferung des
Hexaemerons des Heiligen Epiphanius von Zypern, wovon das fast fertiggestellte Manu-
skript jedoch verschollen blieb. Die Verbundenheit Grohmanns mit der Äthiopistik zu Be-
ginn seiner Karriere lassen Kontakte zwischen den beiden sehr wahrscheinlich werden. Nur
hatte sich Grohmann im Laufe der Zeit mehr oder weniger vollständig von der Äthiopistik
abgewandt. Die Fakultät fasste gleichwohl auf der Basis von Grohmanns Ausführungen
am 9. November 1945 den Beschluss, den Besetzungsvorschlag für das seit dem Ausscheiden
von Prof. August Haffner vakante Ordinariat für Semitische Sprachen zu machen120. Das zu-
ständige Ministerium lehnte jedoch die Wiederbelebung der Lehrkanzel an der Universität
Innsbruck aus budgetären Gründen ab.
Daraufhin beantragte die Fakultät im Juli 1947 erneut die Besetzung der Lehrkanzel,
als Interimslösung aber auf jeden Fall die Erteilung eines Lehrauftrages im Umfang des
Lehrdeputats eines Ordinarius : Da in Wien der Wunsch geäussert wurde, Professor Dr. Groh-
mann solle sich auch der Papyrussammlung der Nationalbibliothek annehmen, so wird weiter
beantragt, dass er die Vorlesungen an der Innsbrucker Universität jeweils im Winter-Semester
abzuhalten hätte und im Sommer-Semester für die Tätigkeit an der Nationalbibliothek beur-
laubt sein würde121. Auch wenn sich Grohmann bald darauf um die Erteilung der Venia
docendi an der Innsbrucker Universität bemühte122, scheiterte auch dieser Plan, Groh-
mann an diese Universität zu bringen. Grohmanns finanzielle Situation kann durchaus
prekär gewesen sein zu dieser Zeit, eine Pension erhielt er frühestens ab 1953 auf der Basis
des sogenannten Gmundner Abkommens123. 1949 besserte sich Grohmanns Lage, als er
von der Faculty of Arts der Fuad I University in Kairo in der Eigenschaft als Gastprofessor
auf den Lehrstuhl für islamische Geschichte und Archäologie berufen wurde.
118 Zu ihm Art. „Haffner August Otto Wilhelm“, in : ÖBL 2 (Wien 1959) 141.
119 UAW, Phil.Rig.Akten PN 715.
120 UAI, PA Grohmann, Schreiben vom 10.11.1945.
121 Ebd. Schreiben vom 15.07.1947.
122 Ebd. Schreiben vom 21.07.1947.
123 Dieses Abkommen vom 27.04.1953 regelte die Pensionsversorgung ehemals deutscher Beamter, die ent-
weder während des Zweiten Weltkrieges oder danach nach Österreich gekommen waren. Vgl. Manu-
ela Hoffmann, Entstehung und wirtschaftliche Konsequenzen des deutsch-österreichischen Ver-
mögensvertrages (Unpubl. Diss. Kassel 2007). Online abrufbar : http ://deposit.ddb.de/cgi-bin/dok-
serv ?idn=991042476&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=991042476.pdf [21.03.2010].
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien