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Adolf Grohmann (1887–1977) 405
er das 75. Lebensjahr vollendet hatte129. Grohmanns Versuch, eine weiterführende Finan-
zierung für seine Forschungen zu erhalten, wurde vom Ministerium mit der Begründung
abgelehnt, dass er über ein ausreichendes Einkommen verfüge130.
1961 wurde Grohmann in vertraulicher Wahl zum wirklichen Mitglied der ÖAW ge-
wählt. Die Antragsteller meinten Grohmann durchaus etwas Gutes tun zu müssen, hatte
er es doch in Innsbruck in den Jahren nach dem Krieg nicht so einfach gehabt : Die erfolgte
Vermehrung der Zahl der wirklichen Mitglieder böte nun die erwünschte Gelegenheit, die
Leistungen dieses international anerkannten österreichischen Gelehrten durch die Wahl zum
wirklichen Mitglied zu würdigen131.
In den 1960er-Jahren publizierte Grohmann weiterhin kontinuierlich, darunter auch
mehrere Arbeiten monografischen Umfangs, die in Handbüchern oder Sammelreihen
veröffentlicht wurden. Dazu zählen das Werk „Arabien“, das eine Zusammenschau der
Forschungen Grohmanns zum alt-südarabischen Raum bot132, und weiters seine Beiträge
zu arabischer Chronologie und arabischer Papyruskunde, die im Handbuch der Orienta-
listik erschienen133. Darüber hinaus veröffentlichte Grohmann die Papyri der Gießener
Universitätsbibliothek134. Obwohl Grohmann Böhmen hatte verlassen müssen, publi-
zierte er dennoch weiter in der Zeitschrift Archiv Orientální, so auch in der Ausgabe,
die als Festschrift für Bedřich Hrozný diente135. Eine Zusammenschau seiner Tätigkeit
auf dem Gebiet der Papyrologie publizierte er ebenfalls in Prag, seine „Einführung und
Chrestomathie zur arabischen Papyruskunde“136, in der er das nötige Handwerkszeug
präsentierte. Eine Geschichte der Funde und Fundstätten sowie eine Beschreibung der
bedeutenderen Papyrussammlungen leiten das Buch ein. Grohmann gab eine hilfswissen-
schaftliche Einführung zu den Schreibmaterialien, der Schrift und Sprache der Papyri, zur
Diplomatik von Papyrusurkunden und zu Nachbarwissenschaften wie Numismatik und
Chronologie. Kleinere Arbeiten veröffentlichte Grohmann in diversen Festschriften137,
129 Ebd. Schreiben vom 19.07.1962.
130 Ebd. Schreiben vom 15.11.1962.
131 AÖAW, phil-hist. Kl., PA Adolf Grohmann, Wahlunterlagen, Zl. 563/61.
132 Adolf Grohmann, Arabien (Handbuch der Altertumswissenschaft Abt. 3. 3,1 = Kulturgeschichte des Alten
Orients 3,4, München 1963).
133 Adolf Grohmann, Arabische Chronologie 2. Arabische Papyruskunde. Mit Beiträgen von Joachim Mayr
und Walter C. Till (Handbuch der Orientalistik Erg.-Bd. 2,1, Leiden 1966).
134 Adolf Grohmann, Die arabischen Papyri der Gießener Universitätsbibliothek. Texte aus den Sammlungen
Papyri Bibliothecae Universitätis Gissensis (Gießen 1960).
135 Adolf Grohmann, Einige bemerkenswerte Urkunden aus der Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer an
der Nationalbibliothek zu Wien, in : Archiv Orientální 18/3 (1950/51) 80–119.
136 Adolf Grohmann, Einführung und Chrestomathie zur arabischen Papyruskunde (Monografie Archiv Ori-
entální 13, Prag 1954).
137 Etwa : Adolf Grohmann, Die Bronzeschale M. 388-1911 im Viktoria-und-Albert-Museum, in : Aus der
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien