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406 Sibylle Wentker
genauso wie er sich in mehreren Publikationen an der Zeitschrift „Bustan“ beteiligte, die
von der Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall in Wien für ein breiter
angelegtes Publikum ins Leben gerufen worden war138.
Berühmt auch über die Kreise der Spezialisten der arabischen Papyrologie hinaus wurde
Grohmann jedoch mit seinem zweibändigen Werk über arabische Paläografie, das als das
Ergebnis jahrzehntelangen Sammelns und Ordnens betrachtet werden kann139. Wie weit
die Arbeit Grohmanns an diesem Themengebiet zurücklag, äußerte er selbst in seinem Vor-
wort zum ersten Teil. Wesentliche Inspiration zu dem Thema hatte er durch die Vorlesun-
gen Karabačeks erhalten. Den Mangel an einem umfassenden Handbuch zur arabischen Pa-
läografie zu beheben wurde Grohmanns Wunsch spätestens zu dem Moment, als er im März
1917 die arabische Papyrussammlung in Wien zur Betreuung bekam : „[…] da wurde mir
bald klar, welch bestimmende Rolle diesem Material für die Entwicklung der Geschichte
der arabischen Schrift zukam.“140 Umfangreiche Sammeltätigkeit hatte Grohmann neben
Wien an die großen Papyrussammlungen in Berlin, Gießen, Hamburg, Kairo, London und
Oxford geführt. In den Urkunden fand Grohmann den Schlüssel zur paläografischen Sys-
tematisierung der arabischen Schrift, da die Frage der Schriftentwicklung bei Urkunden-,
Inschriften- sowie Buchschriften bei der arabischen Schriftkunde ähnlich sei. „In den ara-
bischen Urkunden tritt uns nämlich – wenigstens zunächst und in alter Zeit – nicht etwa
eine bestimmte Art Schrift entgegen, etwa eine ausschließlich oder auch nur hauptsächlich
für Urkunden verwendete Urkundenschrift, sondern wir finden in Handschriften und Ur-
kunden dieselben Schriften verwendet“141.
Grohmann versuchte aus einer größtmöglichen Zahl an beobachteten Einzelfällen all-
gemeine Erkenntnisse und gültige Leitsätze zu gewinnen, ein Verfahren, das er als induk-
tiv bezeichnete. Allgemeine Sätze könnten so aufgestellt werden und mit den Beispielen
verifiziert werden. Wenngleich sich alle Rezensenten über den Meilensteincharakter von
Welt der Islamischen Kunst. FS für Ernst Kühnel (Berlin 1959) 125–138 ; ders., Die Bronzeschale M.
31-1954 im Victoria-und-Albert-Museum, in : Beiträge zur Kunstgeschichte Asiens. In Memoriam Ernst
Diez (Istanbul 1963) 283–287 ; ders., Der Beamtenstab der arabischen Finanzverwaltung in Ägypten in
früharabischer Zeit, in : Studien zur Papyrologie und antiken Wirtschaftsgeschichte. Friedrich Oertel zum
80. Geburtstag gewidmet, hg. v. Horst Braunert (Bonn 1964) 120–134 ; ders., Die Bauinschrift der Mo-
schee des AÎmad Óūlūn (265/879), in : Studies in Islamic art and architecture in honour of K.A.C. Creswell
(London 1965) 84–93.
138 Adolf Grohmann, Die Entstehung des Koran und die ältesten Koran-Handschriften, in : Bustan (1961)
33–38 ; ders., Die dekorative Rolle der arabischen Schrift, in : Bustan (1962) 35–41 ; ders., Die frühislami-
sche Besiedlung Nordafrikas durch die Araber, in : Bustan (1967) 3–7.
139 Adolf Grohmann, Arabische Paläographie 1–2 (ÖAW Denkschriften 94,1–2, Graz/Wien/Köln 1967–
1971).
140 Ebd. 1 VII.
141 Ebd. 1 2.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien