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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 418 -
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418 Alena Janatková das Interesse an der Urgeschichte und an allen jenseits des als „System“ durchblickbaren Stückes der Geschichte der Hochkulturen. Die Erde wird um neuer derartiger Erkenntnisse willen über- all aufgerissen ; eine unerhörte prähistorische Ausgrabungstätigkeit. Innerhalb des „europäischen Systems“ geht das Interesse für alle Geschichte im eigentlichen, längsschnittmäßigen Sinn zurück. Überall beginnt man nach den Hintergründen volklicher, rassischer Art, in strengeren Bereichen zunächst nach den konstanten Eigenschaften einzelner, die Geschichte tragender Menschengrup- pen zu fragen37. Es war dieses Gebiet des wissenschaftlichen Denkens, dem Swoboda die letzt- lich entscheidende Rolle ebenfalls in Hinsicht auf seine persönlichen Erlösungsphantasien einräumte. An einer solchen „wissenschaftlichen“ Orientierung hielt er sich während seines Prager Ordinariats fest. Wenn auch Swobodas Vorstellungen der Lektüre Friedrich Nietzsches, Sören Kierkeg- aards, Ernst Kretschmers oder Spenglers entsprungen waren, sollten sie letztlich in eine rassenideologische Kunstgeschichte mit besonderer deutscher Prägung münden. Der Wer- degang dieser Kunstgeschichte wurde auch von den Volksdeutschen Forschungsgemein- schaften im Zuge der deutschen Volks- und Kulturbodenforschung mitgestaltet, einem Großprojekt aus der Zeit der Weimarer Republik, das Geografen, Landeskundler und Volkstumspolitiker begründet hatten38. Im Kontext der Volksabstimmungen und territo- rialen Abtretungen in den Grenzgebieten des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns waren diese Begriffe zu machtpolitischen Instrumenten entwickelt worden und bestimm- ten nachfolgend die interdisziplinäre Forschungsstrategie bei der Zusammenarbeit zwi- schen Vertretern der Geografie und der Geschichte. Gemeinsame politische Zielsetzung war die Revision der Versailler Friedensverträge. Die „volkstumspolitischen“, großdeutsch orientierten Strategien der Organisation wurden ausschließlich durch die Berliner Mi- nisterien und den „Verein für das Deutschtum im Ausland“ finanziert39. Die deutsche Volks- und Kulturbodenforschung hatte Grundlagen für die Grenzland- und Großraum- forschung geschaffen, diese Forschungsstrategie kennzeichnete dann auch die kunstgeogra- fischen Raumkonzeptionen. Seit der Gründung der Südostdeutschen Forschungsgemein- schaft (SODFG) am 17. Oktober 1931 in Wien war Swoboda zusammen mit Geografen, Historikern, Germanisten, Volkskundlern in deren Arbeitsausschuss tätig und für den Arbeitsbereich Kunstgeschichte der Tschechoslowakei verantwortlich40. Zu den Aufga- ben und Funktionen der SODFG zählte die wissenschaftliche Begründung einer gesamt- 37 Siehe ebd. 57–59. 38 Siehe Michael Fahlbusch, Wissenschaft im Dienste nationalsozialistischer Politik ? Die „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931–1945 (Baden-Baden 1999) 55–64 (Hintergründe der NS-Volkstums- und Kulturpolitik). 39 Ebd. 40. 40 Siehe Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 50 ; Fahlbusch, Wissenschaft (wie Anm. 38) 247–275, 288– 292.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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