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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 419
deutschen Auffassung durch geografisch-historische Argumente41. Solche „Bereicherung“
um die örtliche, geografische Dimension wurde von Swoboda in seiner Forschung und
Lehre an der Deutschen Universität in Prag weiterverfolgt42. Die Zielvorstellungen von
wissenschaftlicher Planmäßigkeit und neuer Wissenschaftsorganisation wurden für Swo-
bodas eigene wissenschaftliche Tätigkeit in Kooperation mit den kulturwissenschaftlichen
Nachbardisziplinen bestimmend. Diese Kooperation war allerdings schon durch ein trag-
fähiges Netzwerk von Kontakten zu Instituten und Volksgruppenführungen auf diversen
Funktionsebenen in den ihm wohl vertrauten strukturellen Eigenarten der Volksdeutschen
Forschungsgemeinschaften vorgebildet. Bereits 1932 bei einer Exkursion in die West-
slowakei zwecks Ausbau von Kontakten zu den tschechoslowakischen, vorzugsweise aus
Prag kommenden Deutschtumsforschern, Geografen, Statikern, Historikern, Rechtshis-
torikern, Kunsthistorikern, Volkskundlern und Linguisten hat der von Heinrich Gerhard
Franz43 begleitete Swoboda aus der Perspektive des deutschen Anteils über die kunsthis-
torische Stellung des Pressburger Gebietes geurteilt und diese als Rezeptivität ohne Kraft
eingestuft44. Im Rechenschaftsbericht über die geleistete praktische Grenzlandarbeit der
SODFG wurde dann von deren Leiter, dem Geografen Hugo Hassinger, am 1. November
1933 die Unterstützung von Volksdeutschen und der deutschen Kultur als wichtigstes Auf-
gabengebiet genannt, das seit zwei Jahren gerade in Kooperation mit der Prager Deutschen
Universität ausgebaut werde45. Dabei ging es ebenfalls um die Stärkung einer Universität,
deren Stellung 1920 mit ihrer Aberkennung als Nachfolgerin der von Karl IV. gegründeten
Universität ideell erheblich geschwächt worden war. Der Konflikt zwischen den beiden
Prager Universitäten sollte zunächst im Herbst 1934 im „Insignienstreit“ kulminieren46.
II. Das Prager Ordinariat
Seit November 1931 sind Swobodas Bemühungen um eine Berufung an die Prager Deut-
sche Universität als Nachfolger Alois Grünwalds47 und dessen Vertreters 1930–1934, Ed-
41 Ebd, 263f.
42 Siehe Swoboda, Neue Aufgaben (wie Anm. 13) 21–23.
43 Zu ihm siehe Fellner, Corradini, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 2) 128.
44 Siehe Fahlbusch, Wissenschaft (wie Anm. 38) 288f.
45 Siehe ebd. 199.
46 Siehe Karel Hruza, Der deutsche Insignien- und Archivalienraub aus der Prager Universität 1945. Mit einem
Briefwechsel zwischen dem Universitätsarchivar Heinz Zatschek und dem Präsidenten der Monumenta Ger-
maniae Historica Theodor Mayer, in : Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder
48 (2008) 349–411, hier 355–358.
47 Zu ihm siehe Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder 1 : A–H, hg. v. Heribert Sturm
(München/Wien 1979) 482.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien