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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 422 -
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422 Alena Janatková Lage Auslandsberufungen machen ; dann, daß mein Akt vom Ministerium des Inneren aus eben diesem Grund dem Unterrichtsministerium zurückgestellt sei, daß er aber nun kürzlich wieder, mit einem neuen Gutachten des Sektionschefs Wirth seinen Weg ins Ministerium des Inneren von neuem angetreten habe55. Letztlich brachte die seitens der Regierung durch- gesetzte Bevorzugung sogenannter „einheimischer Kandidaten“ bei gleichzeitigem Fehlen von geeignetem „einheimischen Nachwuchs sudetendeutscher Nationalität“ noch im sel- ben Jahr den Durchbruch im Berufungsverfahren an die Deutsche Universität. Unter der Voraussetzung, dass Swoboda kein NSDAP Mitglied sei56, wurde dieser mit dem Erwerb der tschechoslowakischen Staatsangehörigkeit am 31. 7. 1934 vom Staatspräsidenten zum Ordinarius an der Deutschen Universität ernannt und am 29. 9. 1934 im Dienst verei- digt57. Im Wintersemester 1934/35 hatte Swoboda seine Prager Lehrtätigkeit begonnen, 1935 wurde er Mitglied der „Kunstgeschichtlichen Kommission“ der Deutschen Gesell- schaft der Wissenschaften und Künste für die Tschechoslowakische Republik und 1936 Kuratoriumsmitglied der deutschen Sektion der Modernen Galerie in Prag58. Im Herbst 1934 hielt Swoboda seine Antrittsvorlesung als Ordinarius für Kunstge- schichte und präsentierte sich am neuen Tätigkeitsort mit dem programmatischen Vortrag 55 Swoboda an Matějček, Wien, 30.12.1933. ANG (wie Anm. 3). 56 Einem Brief Gerhard Gesemanns an Hermann Theodor Beenken vom 18.05.1939 ist zu entnehmen : Als wir seinerzeit in März 1933 die Absicht hatten, Sie an die deutsche Universität zu berufen, wollten wir an die erste Stelle [Kurt] Gerstenberg aus Halle setzen, doch wurde mir im damaligen tschechoslowakischen Schulministerium vom Sektionschef der Hochschulabteilung gesagt, daß man Herrn Gerstenberg auf keinen Fall berufen könne, da er, wie man erfahren, Mitglied der NSDAP sei. Warburg-Archiv Hamburg, Akte Lehrstuhl Kunstgeschichte, zitiert nach der Datenbank des Projekts „Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus“ (GKNS-WEL). Im Lebenslauf von Beenken finden sich weitere Hinweise : Von Anfang 1933 bis zum Frühjahr 1934 wünsch- ten mich Rektor und Philos. Fakultät der Deutschen Universität Prag für den dortigen Kunsthistor. Lehrstuhl zu gewinnen. Im März 1933 war der damals designierte Prager Rektor bei mir in Leipzig und bat mich ausdrücklich, nicht in die NSDAP einzutreten, um meine Berufung nach Prag nicht zu erschweren, die im deutschen Interesse erwünscht sei. Ebd., zitiert nach GKNS-WEL. Gesemann war 1933/34 Prorektor der Deutschen Universität in Prag, zu seinem offiziellen „Bericht für das Studienjahr 1933/34“ siehe Canz, Swoboda (wie Anm. 2)178. 57 Daß ich sogleich bei meiner Ernennung um die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft ansuchen werde, habe ich Ministerialrat Hawelka bei meiner Unterredung mit ihm schon fest zugesagt. […] Meine Mutter meinte, daß mein Akt dank Ihrer beider Intervention jetzt vom Innen- und vom Außenministerium aufrecht erledigt sei und nun noch ins Ministerium gehe […]. Swoboda an Matějček, Wien, 23.06.1934. ANG (wie Anm. 3). Tatsächlich hatte Swoboda mit dem Erwerb der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft die österreichische aufgegeben, wie es das erneute Ansuchen um die österreichische Staatsbürgerschaft von 1945 dokumentiert, siehe Aurenham- mer, Zäsur (wie Anm. 2) 51, Anm. 159. Zum tschechoslowakischen Diensteid siehe Schreiben des Minis- teriums für Schulwesen und Volkskultur vom 29.09.1934 an Swoboda, Abschrift in deutscher Übersetzung, beglaubigt vom Kunsthistorischen Institut der Universität Wien am 25.02.1955, ÖstA/AdR, Personalakt, fol. 67, vgl. Canz, Swoboda (wie Anm. 2) 175, Anm. 1. 58 Siehe Canz, Swoboda (wie Anm. 2) 181.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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