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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 427
tät wurde im Protektorat durch die Einführung gemeinsamer tabellarischer Stundenplan-
übersichten formalisiert, die dem Vorlesungverzeichnis beigefügt erschien (erstmals für
das erste Trimester 1941). Weitere Kooperationen zwischen den Instituten sind auch aus
gemeinsam durchgeführten Promotionsverfahren ersichtlich, so beispielsweise bei Erich
Bachmann in der Konstellation Swoboda und Wostry74. Personell wurde die Lehre der
Kunstgeschichte mit dem Wintersemester 1941/42 bis zum Sommersemester 1943 durch
Hans Werner Hegemann (bevorzugt mit Themen zur Barockarchitektur) und im Winter-
semester 1944/45 durch Hegemann zusammen mit Bachmann gestärkt. Die Entwicklung
des Kunsthistorischen Instituts wurde von der persönlichen Etablierung Swobodas be-
gleitet : Im SS 1942 war sein privater Wohnort in Prag-Streschowitz, im WS 1942/43 war
das konfiszierte Schwarzenbergpalais angegeben, im SS 1943 war als Adresse des Instituts
schließlich das Rudolfinum verzeichnet75.
III. Forschung und das Praxisfeld der Publikationen
1937 wurde anlässlich der 75-Jahr-Feier des Vereins für Geschichte der Deutschen in
Böhmen die Festschrift „Das Sudetendeutschtum. Sein Wesen und Werden im Wandel
der Jahrhunderte“ veröffentlicht, in der unterschiedliche Fachdisziplinen ihre Forschun-
gen zum „Sudetenraum“ vorlegten. Swoboda übernahm die Kunstgeschichte, wobei sein
Beitrag deutlich dem Verein als „Diskursgemeinschaft“ (Jutta Held) verhaftet war76. In ar-
gumentativem Zusammenhang mit dem „Sudetenraum“ wurde die Kunstgeschichte Böh-
mens und Mährens als die einer deutschen Sonderlandschaft behandelt. Das vorgegebene
„gemeinschaftliche“ Ziel der Forschungsbeiträge wurde am Schluss der Publikation von
Pirchan formuliert : „Es gilt auf gemeinsam erlebter Geschichte und gemeinsam geschaffe-
ner Kultur die völkerverbindende, höhere politische Gemeinschaft zu bauen.“ Hier ließen
sich noch versöhnliche Töne der Bemühungen um einen tschechisch-deutschen Ausgleich
innerhalb der Tschechoslowakei 1937 vernehmen77.
74 Disertace pražské university 1882–1945 II. Německá universita [Die Dissertationen der Prager Universität
1882–1945 II. Die Deutsche Universität], bearb. v. Milena Výborná (Praha 1965) 106.
75 Siehe Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Deutschen (Karls-)Universität Prag 1934 bis 1945, UAP.
76 Karl Maria Swoboda, Zum deutschen Anteil an der Kunst der Sudetenländer, in : Das Sudetendeutsch-
tum. Sein Wesen und Werden im Wandel der Jahrhunderte. FS zur Fünfundsiebzigjahrfeier des Vereins für
Geschichte der Deutschen in Böhmen 1 : Mittelalter, 2 : Neuzeit, hg. v. Gustav Pirchan, Wilhelm Weiz-
säcker, Heinz Zatschek (Brünn/Prag/Leipzig/Wien 1937), hier 1 209–249. Wiederveröffentlichung im
ersten Band der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Kunst im Sudeten- und Karpathenraum“ (Brünn/Prag/
Leipzig/Wien 1938).
77 Siehe Hans Lemberg, Der deutsche Aktivismus in der Ersten Tschechoslowakischen Republik und sein letzter Ver-
such einer deutsch-tschechischen Verständigung. 50 Jahre seit 1937, in : Letzter Versuch zum deutsch-tschechischen
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien