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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 432 -
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432 Alena Janatková gene Beschreibung deutscher Kunst aus dessen Nähe zum Expressionismus. Das Deutsche in der Kunst, in Pinders Sinne eine über die völkischen Grenzen hinausgreifende, durch den „deutschen Boden“ begründete Qualität, wurde für Swobodas kunsthistorisches Ver- ständnis richtungweisend106. Pinder und Hans Jantzen hatten die Raumkonzeptionen als Forschungsapparat der Kunstgeschichte systematisch eingesetzt und in Publikationspro- jekten wie den Reihen der „Ausstrahlungen“ und der „Sonderleistungen“ der deutschen Kunst zum weitflächigen Untersuchungsfeld koordiniert107. Schließlich hat Swoboda in seinem Beitrag von 1937 die biologistisch-rassistische Einordnung abschnittweise abge- handelt. Das „Sudetenländische“ wurde durch einen einheitlichen Menschenschlag im Zusammenhang mit der Randlage des Gebiets als „Vorgeschichtliches“, „Vorindogerma- nisches“ gedeutet, den interpretatorischen Bezugsrahmen gab die psychopathologische Konstitutionstypologie des deutschen Psychiaters Kretschmer über Körperbau und Cha- rakter vor108. Entsprechend war die Rede von „Rundschädeln, Menschen der sogenann- ten alpinen Rasse“, die sich als alte Rasse „durch das Andersrassige der zugewanderten Tschechen und Deutschen in vorherrschender Weise durchschlagen“109. Swobodas Kul- turpessimismus äußerte sich hier in Phantasien über die Vorherrschaft von Triebkräften einer vorgeschichtlichen Rasse-, Körper- und Charaktertypik. Die kunsthistorische Qua- lifizierung des „Sudetenländischen“ hieß „schwere, breite Massigkeit“, „dunkle, dumpfe, aber volltönende Formen“110. Gegenüber dem „Sudetenländischen“ wurde einerseits das „Tschechische“ als „labil“ umschrieben, es sollte sich im „Zersetzen, Zerlegen der dar- gebotenen Formen“ artikulieren111. Andererseits wurde das „Sudetendeutsche“ gemäß der „Kulturbodenforschung“ im deutschen Grenzraum nochmals durch die stärkeren grundherrschaftlichen, kirchenpolitischen und wirtschaftsgeschichtlichen Bedingungen gedeutet, die letztlich in der Gewichtung als entscheidend galten. Damit blieb auch alle phantastische Rassentypologie doch nur eine Beimischung in den kulturellen Raumkon- zeptionen als der entscheidenden Kategorie in Swobodas Kunstverständnis112. Pinder, Die Kunst der deutschen Kaiserzeit bis zum Ende der staufischen Klassik (Vom Werden und Wesen deutscher Formen : geschichtliche Betrachtungen 1, Leipzig 1935). 106 Siehe Jutta Held, Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Wilhelm Pinder und Hans Jantzen an der Münch- ner Universität, in : Kunstgeschichte an den Universitäten (wie Anm. 2) 17–59, hier 18–25 (Politische und fachpolitische Positionierungen). 107 Ebd. 32–40 (Raumkonzeptionen). 108 Auch für Sedlmayr wurde Kretschmers Typenlehre zum konstitutiven Bestandteil seiner Kunstgeschichte, Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 19. 109 Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 233–238, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 39f.; zu Kretschmer gibt es den Verweis auf Ernst Kretschmer, Geniale Menschen (Berlin 1929). 110 Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 233, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 35. 111 Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 210, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 12. 112 Auf die kunsthistorische Volkstumsforschung reagierte Wirth mit dem Vortragsmanuskript „Kunst und
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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