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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 433
Swobodas Eintreten für die volkspolitischen Interessen wurde mit seiner im Auftrag
der Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und Künste in Prag113 getätigten Heraus-
geberschaft der „Beiträge zur Geschichte der Kunst im Sudeten- und Karpathenraum“
besiegelt. Der Wiederveröffentlichung seines Aufsatzes „Zum deutschen Anteil an der
Kunst der Sudetenländer“ als erster Band stellte Swoboda ein zweiteiliges Vorwort voran,
das zum Juni und zum November 1938 in Prag datiert ist114 ; zwischen diesen Terminen
wurde die Abtretung der „sudetendeutschen“ Grenzgebiete an das Deutsche Reich er-
zwungen und die Tschechoslowakei von der „Ersten“ in die „Zweite“ Republik überführt.
Im Juni 1938 gaben die Verdienste der Gesellschaft der Wissenschaften und Künste
und Neuwirths „Forschungen zur Kunstgeschichte Böhmens“ die Tradition für die kunst-
geschichtlichen Untersuchungen zu Deutschtumsfragen gegenüber einer angeblichen
nationalen Indifferenz seitens der tschechoslowakischen Kunstgeschichte vor, wobei für
Ergänzungen des tschechischen Schrifttums der Dank an Josef Cibulka und an Matějček
erging. Programmatisch wurde die Schriftenreihe der übergeordneten Kategorie des Vol-
kes als dem natürlichen Kunstträger und den Deutschtumsfragen im Sinne einer Einord-
nung in das natürliche Gefüge der Geisteswissenschaften als einer deutschen Gesamtwis-
senschaft verpflichtet. Das Stichwort lautete „deutsche Sonderlandschaft“. Im November
1938 wurden – „von Stolz und Freude erfüllt“ – im nationalsozialistischen Sprachduktus
die machtpolitischen Eingriffe als „Weg heim ins wiedererstandene großdeutsche Reich“
gefeiert : Aus der Perspektive Prags mit seiner Stellung als Hauptstadt nunmehr der
Zweiten Republik dürfte diese Parteinahme umso schärfer Swobodas eigene Positionie-
rung herausstellen. Sie ist allerdings zugleich bezeichnend für eine Gleichschaltung der
Land“, einer „čechoslovakischen“ Kunstgeschichtsversion über die seit Urzeiten wirkende, assimilierende
Kraft Böhmens, die unterschiedliche Stämme und mit der Umgebung zusammengewachsene Künst-
ler zu einem ethnisch einheitlichen Volk vereint und der Kunst den besonderen Status einer eigenwilligen
Gruppe innerhalb Mitteleuropas verliehen habe. Handschriftlicher Vermerk : Škola Mánesa [Mánes-Schule],
04.01.1944. Archiv Ústavu dějin umění AV ČR [Archiv des Kunsthistorischen Instituts der Akademie der
Wissenschaften der Tschechischen Republik], Zdeněk Wirth, W-A-40. Konkret wandte sich Wirth gegen
Otto Kletzl Die deutsche Plastik in Böhmen und Mähren, in : Pantheon XII (1939) 128–134, und gegen
alle „künstlichen Konstruktionen“, die das Kunstschaffen in Prag vom 13. bis zum 15. und vom 17. bis zum
19. Jahrhundert unter dem Vorzeichen der politischen Machtverhältnisse (nämlich der Einbindung Böhmens
in Großreiche) sehen wollten.
113 Zu dieser Gesellschaft und späteren „Deutschen Akademie der Wissenschaften in Prag“ siehe Alena
Mišková, Michael Neumüller, Společnost pro podporu německé vědy, umění a literatury v Čechách
(Německá akademie věd v Praze)/Die Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Litera-
tur in Böhmen (Deutsche Akademie der Wissenschaften in Prag) 1891–1945 (Práce z dějin české akademie
věd/Studia historiae academiae scientiarum bohemicae, Praha 1994) 40–41.
114 Swoboda, Karl Maria, Zum deutschen Anteil an der Kunst der Sudetenländer (Beiträge zur Geschichte
der Kunst im Sudeten- und Karpathenraum 1, Brünn/Prag/Leipzig/Wien 1938). Das Buch ist Pinder, dem
„Geschichtsschreiber der deutschen Kunst“, zum sechzigsten Geburtstag gewidmet.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien