Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 437 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 437 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Bild der Seite - 437 -

Bild der Seite - 437 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Text der Seite - 437 -

Karl Maria Swoboda (1889–1977) 437 einer epochenübergreifenden, „sudetenländischen“ Kunstgeschichte wurde formalstilis- tisch durch „spät“-gotische und „spät“-barocke Wesenszüge ausgewiesen. Gleichermaßen wurde auch im sechsten Band der Beiträge unter dem Titel „Studien zur Barockarchitek- tur in Böhmen und Mähren“ der Zusammenhang mit den „gesamtdeutschen“ Einflussge- bieten und Fragen der Rezeption in „enge[r] und untrennbare[r] Verbundenheit mit der innerdeutschen Entwicklung“ als „Untereinheit des Gesamtdeutschen“ weiterverfolgt131. Seit dem Frühjahr 1940 wurde die Idee von interdisziplinären Forschungsgemeinschaf- ten umgesetzt, die den kriegspolitischen Zielen des Dritten Reiches verpflichtet waren132, wobei die Kunstgeschichte erst 1941 dem „Gemeinschaftswerk“ beitrat. Unter der Füh- rung von Pinder und Richard Sedlmaier wurde die Publikationsreihe „Die deutsche Kunst und ihr Wirkungskreis“ initiiert, die einerseits „Die deutsche Kunst an den Rändern des Reiches (Ausstrahlungen)“ und andererseits „Sonderleistungen deutscher Kunst (Erstleis- tungen)“ zum Thema hatte. Mit dieser Konzeption wurde die völkische Kunstgeschichte in eine groß dimensionierte Raumforschung europäischen Zuschnitts überführt, in der ausdrücklich der „Mischcharakter“ der europäischen „Rassen“ und Kultur anerkannt war. Der seit 1940 politisch propagierte Europagedanke sollte durch ein kunsthistorisches For- schungsunternehmen gestützt werden, das den kulturellen Führungsanspruch Deutsch- lands fundierte (Kunstgeschichte der Peripherie)133. Dieses Engagement ging mit neuen Aufgaben einher, die 1941 auch der Prager Universität zugesprochen wurden : Prag sollte als wissenschaftliches Zentrum in südöstlicher Richtung wirken und dabei die Ostfor- schung in Verbindung mit der Rassenforschung verfolgen134. Swoboda wurde sogleich im Januar 1941 in den „Vorbereitenden Ausschuss der kunstgeschichtlichen Arbeitsge- meinschaft des Kriegseinsatzes“ berufen und nahm auch an entsprechenden Tagungen gendem Material gewesen sei, so sollte sie doch den Besucher über den deutschen Charakter des böhmischen Barock hinweggetäuscht haben. Zum Memorandum gegen die Ausstellung „Prager Barock“ seitens Sedlmayr als „versuchter geistiger Raub eines Kronjuwels der deutschen Kunst“ und zu dessen Vorschlägen prakti- scher Gegenmaßnahmen wie einer Tagung und Verteilung von Prospekten siehe Aurenhammer, Sedlmayr (wie Anm. 2) 192, Anm. 128. Zum Stellenwert der Ausstellung in der Barockforschung siehe Sláva barokní Čechie [Der Ruhm des barocken Böhmens], Ausstellungskatalog der Nationalgalerie Prag, hg. v. Vít Vlnas (Praha 2001) 43–45. 131 Die enthaltenen Studien hießen „Unbekannte Kirchenentwürfe des Kilian Ignaz Dientzenhofer im Archiv der Prager Burg“ und „Studien zum Schloß- und Palastbau der Barockzeit in Böhmen und Mähren“, siehe Heinrich Gerhard Franz, Studien zur Barockarchitektur in Böhmen und Mähren (Beiträge zur Geschichte der Kunst im Sudeten- und Karpathenraum 6, Brünn/Prag/Leipzig/Wien 1943), hier 105f. Als letzter Band der „Beiträge“ folgte Erich Bachmann, Gotische Plastik in Böhmen und Mähren von Peter Parler (Beiträge zur Geschichte der Kunst im Sudeten- und Karpathenraum 7, Brünn/Prag/Leipzig/Wien 1943). 132 Siehe Frank-Rutger Hausmann, „Deutsche Geisteswissenschaft“ im Zweiten Weltkrieg. Die „Aktion Ritter- busch“ 1940–1945 (Schriften zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 12, Heidelberg 32007) 198–211. 133 Siehe Held, Kunstgeschichte im „Dritten Reich“ (wie Anm. 106) 32–40. 134 Siehe Mišková, Deutsche Universität (wie Anm. 115) 169.
zurück zum  Buch Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2"
Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Österreichische Historiker