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440 Alena Janatková
Bedeutung für die Wissenschaft145. Diese Schutzmaßnahme zum Verbleib der Kunst- und
Kulturgüter war ein wichtiger Faktor in der deutschen Kunst- und Museumspolitik im
Protektorat146. Sie diente der sichtbaren Bekräftigung beziehungsweise Offenbarung von
Optionen der Kulturbodenforschung. Die Verordnung betraf ebenso die Bestände der
Kultureinrichtungen wie die Zugänge an für weniger als die Hälfte des eigentlichen Prei-
ses veräußerten Kunstwerken, und alle Objekte aus dem konfiszierten „Juden- und Feind-
vermögen“, denen im Protektorat der Status von Reichseigentum eingeräumt wurde147.
Für diese Zwecke wurden die Zentralstelle für jüdische Auswanderung nach dem Wiener
Vorbild beziehungsweise die verwaltende Treuhandstelle der Vermögensangelegenheiten
geschaffen148. Unter diesen Rahmenbedingungen nahm die Fachkompetenz der Kunst-
historiker durchaus einen entscheidenden Stellenwert ein : Wissenschaftler und Muse-
umsleiter wurden von dem zuständigen Sachbearbeiter im Amt des Reichsprotektors als
Gutachter konsultiert, aufgrund ihrer wissenschaftlichen Arbeit und Gutachtertätigkeit
wurden sie als „Sonderbeauftragte“ mit Sonderrechten beispielsweise für das „reichsei-
gene Kunstgut“ ausgestattet149. Das Quellenmaterial vermittelt sogar den Eindruck,
dass manche Rahmenbedingungen erst aufgrund von entsprechenden Hinweisen bezie-
hungsweise Wunschvorstellungen der Fachleute geschaffen wurden. Erste Anstöße zur
Reorganisation der Verwaltung von Kulturgütern im Protektorat kamen sogleich nach
seiner Konstituierung seitens des langjährigen Geschäftsführers des Verbandes deutscher
145 Verordnung zum Schutze der Kulturdenkmäler im Protektorat Böhmen und Mähren vom 1. Oktober 1940.
Siehe auch Jan Björn Potthast, Das Jüdische Zentralmuseum der SS in Prag. Gegnerforschung und Völ-
kermord im Nationalsozialismus (Frankfurt/M./New York 2002) 194 ; NA, Úřad říšského protektora 1939–
1945 [Amt des Reichsprotektors 1939–1945], K. 535.
146 Siehe Potthast, Zentralmuseum (wie Anm. 145) 193–204.
147 Die Verkaufsmodalitäten waren aufgrund des § 934 der Reichsbürgergesetze festgelegt. Die Landesgalerie
prosperierte unter der schützenden Hand des Protektoratsministeriums wie noch nie in ihrer hundertfünfzig-
jährigen Geschichte, siehe Vít Vlnas, Josef Cibulka (1886–1968) Kunsthistoriker. Zwischen Resistenz und
Zusammenarbeit, in : Prager Professoren (wie Anm. 2) 153–173.
148 Siehe Potthast, Zentralmuseum (wie Anm. 145) 66–128, 204–216.
149 Diese Sonderrechte aus dem Protektoratsamt öffneten auch für Swoboda manche Tür, so wurde bei der Ge-
stapo der Zugang und gesonderte Verfügungsgewalt über eingezogene Kunstgüter erzielt und der Zugang zu
den Lagerstätten des sogenannten „Auswanderungsfonds“ gewährt, um dort für die Landesgalerie wertvolle
Kunstobjekte als nunmehr proklamiertes „Rechtseigentum“ auszusuchen. Swoboda wandte sich zudem am
12.01.1942 direkt an den Reichsprotektor mit folgendem Anliegen : Aus Gründen der Aussonderung mu-
seumswichtiger Kunstobjekte erlaubt sich der Gefertigte darauf hinzuweisen, daß auch bei der Zentralstelle des
Auswanderungsamtes [= Zentralstelle für jüdische Auswanderung] beschlagnahmte Kunstwerke, gegenwärtig
sogar in größerer Zahl vorhanden sein sollen. Auch mit der Gestapo wurde seitens des Reichsprotektors be-
ziehungsweise des zuständigen Sachbearbeiters Reinhold direkt Kontakt aufgenommen, um Anspruch auf
Kunstgegenstände aus dem besagten „Juden- und Feindvermögen“ zu erheben, dem stattgegeben wurde,
siehe Potthast, Zentralmuseum (wie Anm. 145) 196f.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien