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444 Alena Janatková
den, durch die Trennung der leitenden Funktionen und seinen selbstständigen Status als
Protektoratsinstitut entstand allerdings neben dem tschechischen Personalbetrieb der Ga-
lerie ein eigener deutscher Personalbetrieb der Graphischen Sammlung162. Im Juni 1943
erging an die Direktion dieser Sammlung die Genehmigung des Staatssekretärs für die Tä-
tigung von Ankäufen auch wertvoller deutscher Grafik aus Mitteln des Sonderfonds des
„Führers“163. Die Wechselausstellungen der Graphischen Sammlung im Rudolfinum wur-
den direkt von der Abteilung Kulturpolitik im Staatsministerium finanziell unterstützt164,
und noch 1944 wurden im Rudolfinum nacheinander drei Ausstellungen ausgerichtet.
Diese mitten in der Kriegszeit betriebene Selbstdarstellung wurde gegenüber dem Schat-
tendasein der Landesgalerie in der deutschsprachigen wie tschechischsprachigen Presse
werbeträchtig gefeiert. Die erste Ausstellung der „Deutsche[n] Handzeichnungen aus der
Romantik“ wurde am 18. März 1944 durch den Leiter der Abteilung Schulwesen des
Deutschen Staatsministeriums, Ministerialrat Dr. Heckel, eröffnet und vom Minister für
Schulwesen und Volksbildung, Emanuel Moravec, eine Woche später aufgesucht. Swo-
boda kündigte in seiner Eröffnungsrede die zukünftigen Ausstellungen der Ankäufe der
Graphischen Sammlung an sowie thematisch ausgerichtete Expositionen der Zeichnun-
gen des Künstlerkreises um Rudolph II., Grafik der Dürer-Zeit, Zeichnungen deutscher
Barockmaler, sudetendeutsche Grafik, Handzeichnungen von Josef Mánes und Remb-
randt-Zeichnungen in der „deutschen Kulturanstalt“165. Am 2. Juni 1944 folgte dann die
Ausstellung der in den Jahren 1943/44 getätigten „Ankäufe“, die Zeichnungen deutscher,
niederländischer, französischer, italienischer wie auch böhmischer Provenienz vereinte
und damit kulturpolitisch den reichsdeutschen Europagedanken abbildete166. Die dritte
Ausstellung der Graphischen Sammlung präsentierte den zeichnenden Rembrandt mit
162 Arbeitsbericht Cibulkas, Brief an das Ministerium für Schulwesen und Volksbildung vom 24.05.1945, gez.
06.06.1945 (Typoskript, 18 S.) 2 (Úloha ředitelství a poměr okupantů ke galerii [Die Aufgabe der Direktion
und das Verhältnis der Besetzer zur Galerie]). Archiv des Kunsthistorischen Instituts (wie Anm. 112) Josef
Cibulka, Galerie 1939–1961, K. 30, Inv. Nr. 1347.
163 Siehe den Brief Swobodas an das Ministeramt Seyß-Inquart, zu Händen des Staatssekretärs Dr. Kajetan
Mühlmann in Berlin, 18.06.1942. ANG (wie Anm. 155).
164 Brief Swobodas an den Deutschen Staatsminister für Böhmen und Mähren, Abteilung Kulturpolitik, Herrn
Oberregierungsrat Ing. Zankl, 19.10.1943. ANG (wie Anm. 155).
165 Siehe den Zeitungsartikel von Albert Komma, Deutsche Handzeichnungen aus der Romantik, in : Der neue
Tag vom 19.03.1944 ; Günter Busch, Deutsche Handzeichnungen der Romantik. Zur ersten Ausstellung
der Graphischen Sammlung Prag. ANG (wie Anm. 155).
166 Siehe die Zeitungsartikel : Zur Ausstellung der Graphischen Sammlung in Prag, in : Der neue Tag vom
07.06.1944 ; Busch, Handzeichnungen (wie Anm. 165), und anonym. Eine im Prager Rudolfinum unterge-
brachte neue Einrichtung stellt die Graphische Sammlung dar, die mit wertvollen Blättern bekannt machen
und bestehende Freundschaften zwischen Menschen und Kunstwerken vertiefen will, in : Prager Wochen-
schau vom 15.08.1944. ANG (wie Anm. 155).
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien