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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 445 über hundert Handzeichnungen in „originalgetreuen Lichtdrucken“, womit zugleich jene kulturkonservative Ideologie von der deutschen Kunst dargeboten wurde, wie diese Julius Langbehns „Rembrandt als Erzieher. Von einem Deutschen“ (1890) propagiert hatte167. Swobodas Machtposition hatte sich schon in Juli 1940 abgezeichnet, als er mit der Aufsichtsfunktion in der damals noch so bezeichneten Nationalgalerie beziehungsweise der Böhmisch-Mährischen Landesgalerie betraut wurde. Der tschechische Galeriedi- rektor war anzuweisen, alle Ankäufe, nicht nur die in der sogenannten „Ankaufskommis- sion“ verhandelten Angelegenheiten, einstweilen mit dem Professor für Kunstgeschichte an der deutschen Karls-Universität, K. M. Swoboda, vorher zu besprechen168. Es ist bekannt, dass der tschechische Galeriedirektor Cibulka mit Swoboda in der Ankaufskommission und darüberhinaus bei der Sicherstellung von Kunstwerken sehr effizient kooperierte169. Der weitere Kompetenzenzuwachs Swobodas erfolgte bemerkenswerterweise im Zusam- menhang mit dem Wirken Reinhard Heydrichs als stellvertretender Reichsprotektor seit September 1941. An ihn hatte sich nämlich Swoboda im November 1941 direkt mit seinem Anliegen gewandt, das dem künstlerischen Range Prags entsprechende und noch feh- lende Kunsthistorische Institut der deutschen Karls-Universität zusammen mit einer neu zu gründenden Graphischen Sammlung im Rudolfinum unterzubringen170. Für das SS 1943 war gemäß dem Vorlesungsverzeichnis dann auch bereits das Rudolfinum als Institut- sadresse angegeben171. Heydrich veranlasste ebenfalls, bei den Grabungen auf der Pra- ger Burg Professor Dr. Swoboda, de[m] beste[n] deutsche[n] Kenner der Baugeschichte der Burg, die wissenschaftliche Leitung der gesamten Arbeiten auf der Burg zu übertragen172 ; und zwar mit der Option, dass die Grabungsergebnisse in einem großen wissenschaft- lichen Werk zur Geschichte der Burg zusammengefasst würden, und dieser fachwissen- schaftlichen Veröffentlichung eine für die weite Verbreitung bestimmte, reich bebilderte Billigversion der Burggeschichte trete, die den deutschen Charakter der Burg mit ihrer Entstehung klar zum Ausdruck zu bringen habe. Forschung und Publikation waren damit unmittelbare Auftragsarbeiten Heydrichs. Die Ernennung Swobodas zum Vorsitzenden des Bauausschusses wurde erst im Juni 1943, also ein ganzes Jahr nach dem Tod Heyd- 167 Siehe den Zeitungsartikel Günter Busch, Der zeichnende Rembrandt. Zur 3. Ausstellung der Graphischen Sammlung Prag. ANG (wie Anm. 155). 168 Der Reichsprotektor an das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur, zu Händen des Präsidialchefs Dr. Šíp. 30.07.1940. NA (wie Anm. 145), K. 536. 169 Zu ihm siehe Klement Benda, Josef Cibulka, in : Kapitoly z českého dějepisu umění 2 (wie Anm. 49) 161– 170 ; Vlnas, Josef Cibulka (wie Anm. 147). 170 Swoboda an den Reichsprotektor, 18.11.1941. ANG (wie Anm. 155). 171 Sommer-Semester 1943, 104. UAP (wie Anm. 75). 172 Der Reichsprotektor, Sachbearbeiter Dr. von Both, 21.02.1942. NA (wie Anm. 145), K. 537.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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