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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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450 Alena Janatková V. Resümee Der junge Swoboda hatte mit der Ausbildung am IÖG seinen Horizont als Kunsthisto- riker erweitert und damit denselben Weg wie Dvořák und Schlosser eingeschlagen. Das Netzwerk des IÖG wurde für seine Berufung nach Prag und seine weitere Forschungs- strategie mit der Ausrichtung auf die so genannte sudetendeutsche Kulturbodenforschung wichtig. Diese Forschungsperspektive hatte allerdings nicht länger den komplizierten historischen Sachverhalt im Blick, sie wurde vielmehr unter ideologischen und biolo- gistischen Vorzeichen entwickelt und im Praxisfeld der Publikationen bestimmend. Ob- gleich Swoboda nicht der NSDAP beitrat, war er in unterschiedlichen, oben angeführten Verantwortungsbereichen auf hoher Ebene politisch im Deutschen Reich und letztlich auch für das NS-Regime tätig. Unter seiner Ägide wurde eine Inszenierung der Kunstge- schichte für Legitimationszwecke des Protektorats Böhmen und Mähren vorangetrieben. Nach 1945 wurde das IÖG-Netzwerk nochmals für Swobodas Berufung nach Wien ent- scheidend. Der Kontext dieser Einbindung hatte also durchaus eine Kontinuität im wis- senschaftlichen Werdegang und der Karriere des Kunsthistorikers Swoboda bewirkt. Swo- bodas persönlicher Gesinnung eines nihilistischen rechten Intellektuellen mag es zudem geschuldet sein, dass sich diese Kontinuität durch eine unheimliche und hintergründige Flexibilität unter verschiedenen politischen Systemen auszeichnete. 1966 erinnerte sich der tschechische Historiker Václav Vojtíšek an seine ehemaligen deutschen Kollegen in Prag. Es mag nicht verwundern, dass er Swoboda – nicht immer korrekt – wie folgt gedachte : „Im Jahr 1934 kam er nach Prag. In Prag hatte er unter den Tschechen, die in Wien studiert hatten, Bekannte und diese Bekanntschaften weiteten sich im Kontakt mit den Fachleuten aus. Ich habe nie erfahren, welche politische Linie er vertrat. Aber er trat in die SdP und die NS[DA]P ein. Während des Faschismus schrieb er auch offizielle Publikationen über Prag und über die böhmische Kunst, die er als Produkt deutscher Kunst und deutscher Arbeit ansah. Erklärungen in diesem Sinne trug er den höchsten Würdenträgern der NS[DA]P und des Dritten Reiches vor, wenn diese Prag besuchten, und er pflegte auch SA-Uniform zu tragen. Nach dem Krieg bewirkten einige tschechische Fachleute, dass K.  S. in Prag bleiben konnte […], aber er ging nach Wien an die Universität und hat sich dort angeblich auf schönste Weise eingerichtet.“196 196 Karel Hruza, „Einige Deutsche habe ich auch wirklich gern empfangen“ – Ein Bericht des tschechischen Historikers Václav Vojtíšek aus dem Jahr 1966 über deutsche Fachkollegen in Prag, in : Bohemia. Zs. für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 49 (2009) 96–163, hier 120 und 150.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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