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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 457 -
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Hugo Hantsch (1895–1972) 457 mension der Reichsidee wurde insofern bejaht, als sie die mittelalterlichen Imperatoren befähigt habe, der Germanisierungspolitik in Osteuropa die nach den damaligen Vorstel- lungen unbedingt notwendige christliche Legitimierung zu verleihen35. Bismarcks Kampf gegen Österreich wurde als „tragisch“ bezeichnet, aber als machtpolitisch „unvermeidliche Vorstufe“ zu einem alle geschlossenen deutschsprachigen Siedlungsgebiete umfassenden Großdeutschland gerechtfertigt, das wieder als Hegemonialmacht einen künftigen mit- teleuropäischen Staatenbund anführen sollte. Dabei näherte sich Steinacker schon in den 1920er-Jahren weit stärker als später Srbik biologistischem, sozialdarwinistischem Gedan- kengut. Die „Nationswerdung“ durch „Nationserweckung“ wurde einem „rauschhaften Verbrüderungserlebnis“ im Ersten Weltkrieg zugeschrieben, das im kollektiven Unbewuss- ten stattgefunden und allen Deutschen endgültig deutlich gemacht habe, dass „Blut zu Blut“ gehöre36. Insofern war für Steinacker der Erste Weltkrieg nicht nur der Untergang einer heilen alten Welt, sondern auch der verheißungsvolle Aufgang einer dynamischen neuen. Steinackers politisches Hauptziel war während der Zwischenkriegszeit der An- schluss, nach 1938 verfocht er öffentlich die Osteuropa-Politik des NS-Regimes. Allerdings unterscheidet sich die deutschnationale Programmatik Steinackers vor 1914 deutlich von jener der cisleithanischen Schönerianer. Einen Anschluss „Deutschösterreichs“ anzustreben war ja für einen Ungarndeutschen sinnlos, und an „Umvolkung“ dachte vor dem Ersten Weltkrieg selbst Steinacker noch nicht. So lag sein Ziel, wie das seines Vaters Edmund, der trotz seiner protestantischen Konfession übrigens sehr mit dem von Rom abweichenden „Deutschkatholizismus“ geliebäugelt hatte37, in der Zurücknahme des „Ausgleiches“ von 1867. Alle Hoffnung richtete sich dabei auf den Thronfolger Franz Ferdinand, in dessen engsten Beraterkreis Edmund Steinacker aufgestiegen war. Harold Steinacker schrieb in einer Würdigung seines Vaters, dieser und Franz Ferdinand hätten die gleichen politischen Ziele gehabt : engstes Bündnis mit Deutschland, Revision des Ausgleichs sowie „gleiches Recht für alle Nationen, aber Abstufung nach Wert und Treue für die Monarchie“38. Nach Beendigung seiner Innsbrucker Studien ging Hantsch, dessen Lust an histori- scher Forschung durch Steinacker geweckt worden war, zunächst nach Mainfranken und arbeitete zwei Jahre lang als Archivar im Hausarchiv der Familie Schönborn im fränki- schen Schloss Wiesentheid ; anschließend besuchte er als außerordentliches Mitglied den 35 Ebd. 100–102. 36 Harold Steinacker, Die volksdeutsche Geschichtsauffassung, in : ders., Volk und Geschichte (wie Anm. 34) 111–148, hier 127–135. 37 Harold Steinacker, Edmund Steinacker (1839–1929), Lebensbildnis eines ungarländischen deutschen Volksführers, in : Austro–Hungarica. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge zur Geschichte Ungarns und der öst.–ung. Monarchie (Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission 8, München 1963) 312–322, hier 313. 38 Ebd. 322.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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