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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Hugo Hantsch (1895–1972) 459 völkischen Idee verschlossen geblieben45. Dennoch habe Metternich zumindest einmal Österreichs „deutsche Aufgabe“ wahrgenommen, indem er ihm anlässlich des Wiener Kongresses Bayern sichern wollte : Da sei ihm letztendlich Kaiser Franz in den Rücken gefallen46. IV. Frühwerk und Habilitation Hantsch schrieb nun, großteils unter der Ägide Srbiks, drei Monografien, aufgrund de- rer er schließlich 1930 habilitiert wurde. Zunächst verfasste er das Werk „Der deutsche Bauernkrieg“47. Wer nun, so beginnt das Buch mit einer von seinen zeitgenössischen Fachkollegen oft gestellten „Entscheidungsfrage“, trug Schuld an einem frühneuzeitli- chen „Reichszerfall“ ? Karl V. konnte in der Sichtweise Hantschs im beginnenden 16. Jahrhundert nichts mehr tun, um die kaiserliche Zentralgewalt zurückzugewinnen. Denn seit den letzten Staufern hätten die Fürsten bereits die Macht im Reich an sich gerissen, den Kaiser auf Reichsebene nolens volens zum Titularherrscher gemacht : „Man brauchte ihn nicht, also schätzte man ihn nicht.“48 Außerdem hätten den Habsburger vordringliche Probleme der Gesamtchristenheit, allen voran die Türkengefahr, wieder und wieder von der deutschen Bühne ferngehalten, und nicht etwa die Verfolgung dynastischer Eigenin- teressen49. Das aufstrebende Landesfürstentum hätte aber in seiner raffenden Ländergier nicht die Aufrechterhaltung rechtlicher Normen garantieren können, die es selbst am meisten infrage gestellt habe50. In dieses bereits vorhandene moralische Vakuum, auf in- nerdeutschen spätmittelalterlichen Entwicklungen basierend, stieß nun laut Hantsch der „alleszersetzende“ Renaissancegeist des Individualismus51. Eine verwirrende Fülle neuen Wissens sei vom Mächtigen, den kein Korrektiv mehr in die Schranken gewiesen habe, rücksichtslos missbraucht worden, um den Schwächeren zu übervorteilen : das von den als Helfershelfern der Machthaber fungierenden Berufsbeamten angewendete neue, römische Recht, tradiertes Gewohnheitsrecht ersetzend, sowie die sich Uneingeweihten entziehen- den Innovationen der Finanzmärkte52. Mit dem Großkapital ging Hantsch besonders hart 45 Ebd. 341f. 46 Ebd. 203. 47 Hugo Hantsch, Der deutsche Bauernkrieg (Würzburg 1925). 48 Ebd. 7. 49 Ebd. 5. 50 Ebd. 7f. 51 Ebd. 6. 52 Ebd. 43f.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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